28.01.2015
Christa Horstmann
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Miteinander reden ist das A und O

Lentzker Bürger solidarisch mit ihren Flüchtlingen

Gut 300 Menschen sind am Abend des 12. Januar dem Aufruf von Schülerinnen und Schülern der Evangelischen Schule Neuruppin gefolgt und haben unter dem Motto »Vielfalt statt Einfalt - Neuruppiner Montagsdemo für ein weltoffenes Deutschland« Flagge gezeigt.
Neuruppin

Es ist in den vergangenen Wochen schon etliches über Lentzke im Luch und »seine« Flüchtlinge geschrieben worden. Zwei ihrer Erfahrungen seien heute an den Anfang gestellt.

Eigeninitiative gepaart mit schnellem Reagieren ist meist nicht verkehrt. Dass die Lentzker Mitglieder vom Aktionsbündnis »Fehrbellin bleibt bunt«, als sie vom Kommen der 70 Flüchtlinge in ihren Ort erfuhren, stehenden Fußes zu einer Einwohnerversammlung luden, war gut und richtig. Die Bürger erfuhren damit nicht erst aus der Zeitung von dieser völlig neuen Situation für ihr Dorf. Die Wellen schlugen natürlich zuerst hoch, aber dann wurde ziemlich schnell vieles sachlich geklärt. - Das sollte eigentlich eine ganz wichtige Lehre besonders für alle staatlichen Stellen und Leitungen sein. In der (viel gepriesenen) Demokratie wollen die Bürger nun mal rechtzeitig und ordentlich informiert werden. Mit ihnen geht's auf alle Fälle besser!

Eine weitere Wahrheit. Wenn es um lebenswichtige und auch andere Probleme geht, kann man, muss man, mit allen zusammen arbeiten. Auch, wenn man sonst mal »aneinander gerät« oder politisch ganz anderer Meinung ist oder evtl. auch persönlich nicht ganz so gut miteinander »kann«. In Lentzke ist das seit jeher so praktiziert worden - und es bewährte sich auch bei diesem Problem. Der Verein »Lentzker Luchleben«, die Feuerwehr, die Kirchengemeinde und viele andere, wie z.B. Wolfgang Ewert, der anfangs schon vieles mit in Gang gebracht hat, stehen für ihren Ort.

Und so hat sich ergeben, dass sehr viele aus dem Dorf den rund 70 Flüchtlingen - alles Familien - solidarisch geholfen haben und weiter helfen. Beispielsweise, weil das Dorf ja ziemlich abgelegen ist, mit einem Fahrrad für jede Familie (!!), mit sehr viel Kleidung, Spielzeug, Haushaltsgegenständen und Fernsehern. Die schnell entstandene Arbeitsgruppe »Willkommen in Lentzke« - rund 15 Einwohner sind hier der »Kern« - haben das alles in die Hand genommen. Und von Anfang an bemühten sie sich, die Flüchtlinge in ihr Dorfleben einzubeziehen. Das war beim Lichterfest des Dorfes im November schon so, das setzte sich u.a. beim Keksebacken mit den 30 Kindern der Flüchtlinge fort - so wird jede sich bietende Gelegenheit genutzt.

Norma Strauß, die bekannte Keramikerin, ist jetzt hier ganz besonders aktiv. Sie kümmert sich um alles und alle, wirbelt, organisiert, regt die Leute an zu helfen. Ihr Prinzip: »Wichtig ist, dass man miteinander redet. Dass man diese Menschen spüren lässt, dass sie einbezogen werden... Als die ersten Flüchtlinge kamen, sind bei vielen Dorfbewohnern die Vorbehalte geschwunden. Wenn man sich von Angesicht zu Angesicht gegenüber steht, merkt man und fühlt man, dass es genauso Menschen sind. Menschen, die oft viel Schweres erlebten, die so einen weiten, beschwerlichen Weg hinter sich haben - die brauchen Schutz und Unterstützung, da muss man einfach helfen!« Und über andere Fragen, z.B. verschiedene Alltagsprobleme, kann man auch reden, sagt sie.

Wenn Norma Strauß darüber spricht und über das, was alles im Dorf, vom Dorf schon für die Flüchtlinge, mit ihnen, gemacht worden ist, spürt man diese Aufgeschlossenheit, dieses Engagement, dieses Verstehen- und Helfen-wollen. Vielleicht werden von den Asylbewerbern ja einige Lentzker Neubürger, meint sie.