27.01.2015
Hans Weiske
Erschienen in: Mittelsächsische LinksWorte (Mittelsachsen, Sachsen)

Ringo Gründel - neues Mitglied unserer Kreistagsfraktion

Ringo Gründel vor seiner Fan-Wand

Es war einer der so milden frühen Januar-Abende dieses Jahres, als wir uns im elterlichen Siedlungshaus von Ringo Gründel in Penig trafen. Dort bewohnt er im Obergeschoss seine “Junggesellen-Wohnung“. Und ein solcher wird der 1969 Geborene nach eingenem Bekunden wohl auch bleiben. Kurz zuvor war Ringo („in meiner Vornamenswahl findet die musikalische Vorliebe meiner Mutter ihren Ausdruck“) von seiner Arbeit in einem Chemnitzer Ingeneurbau-Consult-Unternehmen nach Hause zurückgekehrt: „autofrei natürlich!“ Das heißt nichts anderes, als das wir es bei Ringo Gründel mit einer vom Aussterben bedrohten Spezies zu tun haben: jener Zeitgenossen, die absolut nichts von einem Automobil halten. Doch das habe einen ganz gewichtigen Vorteil: „Jeden Arbeitstag habe ich im Autobus somit anderthalb Stunden Lese- und Ideensammelzeit“. Und das wiederum helfe ihm sehr, seine politische Arbeit zu organisieren. Doch dazu später mehr.

Geboren wurde Ringo Gründel - wie bereits gesagt - im Jahr 1969. Von Kindesbeinen an wohnte er in jenem in den Dreißiger Jahren entstandenen Siedlungshaus, was bereits seinen Großeltern und Eltern Wohnstatt war bzw. ist. Nach der Schule begann er eine Lehre im Getriebewerk Penig - zu DDR-Zeiten durchaus ein sozialistischer Vorzeigebetrieb. Von Anfang an schlug sein Herz für die EDV. Den Jüngeren unter unseren Leserinnen und Lesern als Dechiffrierhilfe: Unter „EDV“ verstand man in „grauen Vorzeiten“, als Halbleiter, Dioden und später gedruckte Schaltungen Modeworte waren, die Elektronische Daten-Verarbeitung. In der Zeit der Großrechner und allerersten Arbeitsplatz-Rechner wurde Ringo Facharbeiter für EDV. 1988 schloss er seine Lehre ab, wurde Mitglied der SED und begann, bei der FDJ Staub zu wischen - u.a. als ganz junger Kreistags-Abgeordneter im Blauhemd. Und dann kam die Wende...

Das bittere Ende der DDR stellte Ringo Gründel vor zwei sein weiteres Leben bestimmende Fragen: Wie geht es mit mir beruflich weiter und wohin wende ich mich politisch. Das Getriebewerk, seine berufliche Heimat, wird im Frühjahr 1990 der Flender AG Bocholt angegliedert. Seit 2005 gehört es zur Siemens-AG. „Die Zeit kurz nach der Wende war die Zeit der Selbstvernichtung unserer Arbeitsplätze in der Datenverarbeitung, die sowjetischen Großrechner vom Typ ESER (Einheitliches System Elektronischer Rechentechnik) hatten ausgespielt“. Ringo Gründel verlor seine Arbeit. Viele in der Familie und der Verwandschaft traf es ebenso hart. Die Mutter - Näherin in Hartmannsdorf - wurde arbeitslos, wenigstens der Vater behielt seinen Job als Lagerarbeiter in Rochsburg. Ringo machte seinen Zivildienst als Altenpfleger bei den Johannitern „richtig vor Ort, eine interessante Zeit“. Es folgte eine 15-monatige Umschulung zum Netzwerkadministrator. Eine Zeit danach erhielt Ringo Gründel eine Anstellung als Lehrkraft bei einer Bildungsgesellschaft, Tochterunternehmen jenes Ingenieurbau-Consulting-Unternehmens, in welches er später als Netzwerkadministrator und Verantwortlicher für die Büroorganisation wechselte und bis heute seine Brötchen verdient. Auf einem ziemlich sicheren Arbeitsplatz.

Befragt nach seiner politischen Entscheidung im Wendeherbst, welche ihn wieder aus dem Loch heraushalf in das er gefallen war, anwortet er wie aus der Pistole geschossen mit zwei Worten: „Trotz“ und „Gysi“. Um dann nachzuschieben: „Trotz in dem Sinne, dass ich meine linke Gesinnung nicht wegwerfen wollte, wie viele andere damals. Und Gysi wegen einer flammenden Rede kurz nach dem Dezember-Parteitag 1989 in der brechendvollen Chemnitzer Stadthalle“. Bis Anfang 2000 war Gründel zahlendes Mitglied, dann wurde er Ortsvorsitzender der PDS in Penig. Die Kommunalpolitik übte schon damals eine große Anziehungskraft auf ihn aus. 1999 und 2004 scheiterte er knapp, 2009 wurde er ebenso knapp („meine eigene Stimme entschied“) in den Stadtrat gewählt und kurz danach Fraktionsvorsitzender der LINKEN in einem CDU-dominierten Stadtrat. Seit Mai des vergangenen Jahres sitzt Ringo Gründel für seine Partei im mittelsächsischen Kreistag und im Peniger Stadtrat. Von ganz wenigen, schwer errungenen Erfolgen gegen die Schwarzen („Wir haben einen Ehrenamtspreis durchgesetzt“) kann er berichten, aber er kämpft mit seiner fünfköpfigen Fraktion weiter. Im Kreistag befindet er sich nach eigenen Worten noch in der Phase des „Hineinschnupperns“, nachdem er völlig überraschend in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen für DIE LINKE eroberte. Er könnte sich vorstellen, sich vor allem in Fragen des Haushalts und des Sports zu engagieren.

Wobei wir beim Fussball und beim Lesen wären, den beiden Hobbys von Ringo Gründel. Seine „wahre Welt“ ist der Fussball. Obwohl er es nur bis zum Hobby-Fussballer gebracht hat, ist er seit 1998 als Mannschaftsleiter und Trainer im Nachwuchsbereich nicht wegzudenken. Erst vor kurzem hat er - bedingt durch die Doppelbelastung durch Kreistag und Stadtrat - nach mehr als zwei Jahrzehnten die Trainertätigkeit an den Nagel gehängt. Aber dem Fussball bleibt er im Ehrenamt weiter treu, aktuell als Vorsitzender des Kreis-Jugendspielausschusses.
Und die Leseleidenschaft? „Querbeet“ lautet die kurze Antwort. Und ergänzend: „Von unterhaltsamer Literatur, wie Stephen King und Harry Potter, über Fragen der Religionen bis zur römischen Geschichte ist alles dabei“.

Hinweis
Die gesamte Januar-Ausgabe der LinksWorte ist unter www.linksworte-mittelsachsen.de/ausgaben/89.pdf zu finden. Frühere Ausgaben sind archiviert unter www.linksworte-mittelsachsen.de/archiv.html .