05.01.2015
Sonja Goldmann und Wolfgang Dick
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Politischen Brandstiftern entgegenstellen!

Für eine Willkommenskultur!

Marzahn-Hellersdorf

ir konnten die Nachricht kaum fassen. Der Weihnachtsbaum an der Kreuzung Landsberger Allee / Blumberger Damm war von unbekannten Tätern gestohlen worden. Der Baum war in unmittelbarer Nähe des im Entstehen begriffenen Containerdorfes aufgestellt worden. Er sollte ein Zeichen der Solidarität setzen für die Menschen, die aus Verzweiflung und Sorge um ihr Leben und das Leben ihrer Kinder Asyl suchen.
Norbert Seichter und Björn Tielebein hatten einen sehr schönen neuen Baum besorgt. Wie wir erfuhren, ein Geschenk des Weihnachtsbaumverkäufers, der offensichtlich genauso empört über den Diebstahl war wie wir. In Anwesenheit u.a. von Petra Pau und Regina Kittler wurde an gleicher Stelle der neue Baum aufgestellt. Eine Gruppe von Menschen hatte sich kurzfristig hier eingefunden. Berührend waren für uns zwei kleine Mädchen, begleitet von ihrem Opa, der am Ende des 2. Weltkrieges selbst als Flüchtling Schreckliches erlebt und Solidarität erfahren und dieses Wissen an die Kinder weitergegeben hatte. Wie viele der hier Versammelten hatten sie ihre Wünsche für die zu erwartenden Flüchtlinge und Asylbewerber aufgeschrieben, um den Baum damit zu schmücken.
Am Vormittag des 1. Weihnachtsfeiertages wollten wir uns davon überzeugen, dass der Baum die Stürme der vorangegangenen Tage gut überstanden hat. Wir sahen es schon von Weitem. Der Baum war völlig verunstaltet. Offenbar mit einer Motorsäge hatten die Täter die Spitze und viele Zweige abgesägt. Vor Scham und Empörung traten uns die Tränen in die Augen. Das ist mehr als Vandalismus! Was sind das für Leute, die ihren Frust und ihren Hass an einem Weihnachtsbaum austoben, die unfähig jeglicher Toleranz das Symbol der friedlichen Weihnacht schänden, die nicht akzeptieren können, dass man Menschen ein Minimum an menschlicher Wärme und Solidarität entgegenbringen muss!
Dieses Mal war es „nur“ ein Baum. Was muss noch passieren, damit sich alle Marzahner und Hellersdorfer diesen politischen Brandstiftern entgegenstellen, die Hass gegen alles Fremde schüren, die die Ängste vieler Bürger ausnutzen, um ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten? So lange ist es doch noch nicht her, dass die braunen Horden Deutschland und der ganzen Welt Schrecken, Krieg und Völkermord gebracht haben. Wir appellieren an alle friedliebenden Menschen, den Flüchtlingen zu helfen, den Neonazis und jeglicher ausländerfeindlichen Hetze energisch entgegenzutreten!