08.12.2014
Petra Pau (MdB)
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Keine Biermann-Arie, keine Gauck-Lyrik

Interessante Gespräche einer Linken in Baden-Württemberg

Nicht nur in ihrem Wahkreis, sondern auch anderswo ist Petra Pau unterwegs.
Marzahn-Hellersdorf

Mehrere Veranstaltungen führten mich jüngst erneut nach Baden-Württemberg. Eine fand in Freiburg statt. Die Landeszentrale für politische Bildung und ein Gesprächskreis der Albert-Ludwigs-Universität hatten mich gebeten, im Rahmen der Reihe „25 Jahre Mauerfall – von der DDR-Historie zur (Erfolgs?)-Geschichte deutsche Einheit“ zu sprechen. Referenten an weiteren Tagen werden Marianne Birthler, Hubertus Knabe und Markus Meckel sein. Ich sagte dennoch zu, nachdem mir freigestellt wurde, das Thema „meines“ Abends frei zu wählen. Das tat ich: „Linkssein im 21. Jahrhundert!“. Gleichwohl fuhr ich mit gemischten Gefühlen hin. Wen könnte das interessieren? Mit welchen Erwartungen werde ich konfrontiert? Wohin treibt uns die Debatte?

Als ich den Hörsaal betrat, erlebte ich die erste Überraschung. Rund 80 Interessierte warteten bereits, später wurden es 150, die Badische Zeitung schrieb gar von 200. Alle Altersgruppen waren vertreten, von neugierigen Studentinnen und Studenten bis hin zu Seniorinnen und Senioren, die wohl schon mehrere linke Leben hatten. Die Pro-Rektorin stellte mich und meine politische Biografie vor. Der Leiter der Landeszentrale zitierte aus meiner Rede auf unserer jüngsten Hauptversammlung in Marzahn-Hellersdorf. Ich hatte dort gemutmaßt, dass ich wohl als „linke Exotin“ in ein anders gedachtes Vorhaben gebeten worden sei. (Heiterkeit im Saal ob dieser Eröffnung)

Mein Vortrag dauerte 45 Minuten, gelegentlich durch Beifall unterbrochen, etwa als ich einen Demokratie-Nobelpreis für Edward Snowden forderte, nachzulesen übrigens auf meiner Webseite www.petrapau.de.

Darin schlug ich einen Bogen vom Selbstscheitern des real-existierenden Sozialismus bis ins Solar- und Internet-Zeitalter naher Zukunft. Rote im 21. Jahrhundert müssen zugleich Grüne und Piraten sein, hieß verknappt eine meiner Thesen.

Dann folgten eine Stunde lang Statements und Fragen aus dem Publikum, Antworten und Ergänzungen von mir. Kein böses Wort, keine Biermann-Arie, keine Gauck-Lyrik. Offenbar interessierten neue Linke mehr als alte Mauern. Schließlich schloss mein Gastgeber den Abend: „So viel Karl Marx in diesem Hörsaal gab es lange nicht. Danke, Frau Pau!“