08.12.2014
Erika Maier
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Unternehmerfrühstück mit Christa Bertag

DIE LINKE. Marzahn-Hellersdorfer OWUS luden ein

In diesem Buch ist auch Christa Bertags Werdegang beschrieben.
Marzahn-Hellersdorf

Vielen Marzahn-Hellersdorfern ist Christa Bertag aus den 1990er Jahren als engagierte Streiterin für den Erhalt von Berlin-Kosmetik in der Bitterfelder Straße bekannt. Ende Oktober 2014 war sie Gast beim Unternehmerfrühstück der LINKEN und OWUS im KulturGut Marzahn.

Seit 1986 leitete Christa Bertag als Generaldirektorin das Kosmetikkombinat Berlin. Für sie war das kein „Job“, für sie hieß das, Verantwortung für 8.500 Mitarbeiter zu tragen, die Versorgung der Bevölkerung und den Export zu sichern. Jährlich wurden 200 Millionen Mark investiert, kamen neue Produkte auf den Markt.1990 war der VEB Berlin-Kosmetik der modernste Kosmetikbetrieb Europas.

Mit Einführung der D-Mark im Sommer 1990 brachen Binnenmarkt und Export zusammen. Auf Weisung der De-Maizière-Regierung wurde das Kombinat aufgelöst, die Betriebe privatisiert. 1992 kaufte ein Amerikaner Berlin-Kosmetik, 1995 verschwand der Mann mit Geld und Fördermitteln. Ein Unternehmer aus den alten Bundesländern übernahm den Stammbetrieb in Marzahn. Als nach fünf Jahren die Karenzzeit vorbei war, wurde die Produktion eingestellt, die restlichen Mitarbeiter entlassen, die Maschinen nach Westdeutschland gebracht.

Christa Bertag hat die bittere Zeit des Niedergangs der Berlin-Cosmetics GmbH und die Entlassungen erlebt. Sie kann vergleichen und hat nicht aufgehört, über Wege zu einem auf das Gemeinwohl orientierten Wirtschaften nachzudenken. Deshalb engagiert sie sich auch für das Projekt Die Kombinatsdirektoren – JETZT REDEN WIR, bei dem auf Initiative von Katrin Rohnstock über Erfahrungen der DDR-Wirtschaft berichtet wird. Ein Band dazu ist erschienen, der zweite folgt Anfang 2015.

Die lebhafte Diskussion, an der auch Katrin Rohnstock und Mitstreiter von Berlin-Kosmetik teilnahmen, zeigt, dass es Sinn macht, bei der Suche nach Alternativen zur heutigen Gesellschaft über Schlussfolgerungen aus der DDR-Wirtschaft zu reden.