25.11.2014
Jürgen Strauß, Dietrich Schwarz
Erschienen in: Widerspruch (Fürstenwalde, Brandenburg)

Dietrich Schwarz – ein jung gebliebener Rentner mit viel Engagement

Erfahrung, Wissen und Engagement im Blick

Dietrich Schwarz
Eisenhüttenstadt

Wann ist man alt? Diese Frage stellt sich wohl Mancher, der bei einem Besuch im Parteibüro der LINKEN in Eisenhüttenstadt auf den ehrenamtlich dort arbeitenden Dietrich Schwarz trifft. Der immerhin 79 Jahre alte Genosse macht den Eindruck, als sei er erst wenige Jahre Rentner. Und wenn er über seine Aktivitäten berichtet, kann man eigentlich nur staunen. Denn neben seiner Arbeit in der Geschäftsstelle ist er auch noch Leiter der „Roten Runde“ in Eisenhüttenstadt, einer Diskussionsgruppe, sie sich einmal im Monat mit Problemen nicht nur aus der Politik beschäftigt. Daneben sorgt er im Amtsbereich Neuzelle auch noch für den Vertrieb der Zeitung der Bundestagsfraktion der LINKEN Klar.

Erfahrungen hat er schließlich über viele Jahre auf unterschiedlichen Gebieten sammeln können.

Der ehemalige Lehrer für Biologie und Chemie lebt und arbeitet seit 1956 im damaligen Stalinstadt, dem jetzigen Eisenhüttenstadt. Nur wenige Jahre nach seinem Start als Lehrer in der damals aufblühenden Industriestadt an der Oder wurde er Parteisekretär seiner Schule und war später 22 Jahre lang Mitarbeiter der SED-Kreisleitung. Nebenbei war er dann auch noch 14 Jahre lang ehrenamtlich Sektionsleiter Turnen bei der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Stahl Eisenhüttenstadt. Seit 56 Jahren ist Dietrich Schwarz mit seiner Frau Gisela verheiratet. Vier Kinder haben beide großgezogen. Inzwischen sind elf Enkel und sechs Urenkel hinzugekommen. Seine Frau steht ihrem aktiven Mann fest zur Seite und sieht das so: „Hinter einem aktiven Mann steht immer eine starke Frau.“

Das galt und gilt noch mehr für die Zeit nach der Wende. Denn es kam so, wie Viele es im Osten erleben mussten – Arbeitslosigkeit, dann eine nicht so tolle Tätigkeit in einem Wachschutz. Der Partei aber blieb er treu – im Gegensatz zu manchem Anderen. Denn von seinen Grundeinstellungen wollte er nicht lassen. So wurde er stellvertretender Vorsitzender seiner Basisgruppe der PDS. Und als Hannes Rieß schwer krank wurde, hat sich der damals schon über 60-jährige Dietrich Schwarz überreden lassen und wurde von 2007 bis 2012 kommissarischer Leiter der Gebietsgeschäftsstelle in Eisenhüttenstadt. Mit guten Ergebnissen, wie er betont. Aber irgendwann ging es eben nicht mehr so weiter. Jüngere Mitglieder müssten aktiv werden. „Jünger“ heißt beim gegenwärtigen Altersdurchschnitt eben noch kurz vor Eintritt in die Rente – leider. 160 Genossen gibt es derzeit noch in Eisenhüttenstadt. 150 davon stammen noch aus SED-Zeiten. „Wenn DIE LINKE bestehen und arbeiten soll, muss man auch Aufgaben und Funktionen übernehmen.“ Damit auch weitere, wirklich jüngere Mitglieder den Weg in die Partei finden, macht er noch seine regelmäßige Arbeit in der Geschäftsstelle und die anderen Dinge. Bei einem Klassentreffen mit ehemaligen Schülern hat Dietrich Schwarz erschreckt festgestellt, dass die ja auch schon fast Rentner sind. Zum Glück aber ist Eisenhüttenstadt immer noch ein Ort der kurzen Wege, deshalb gehe vieles eben nicht so schwer.

Dass die Stadt inzwischen von einer linken Bürgermeisterin geleitet wird, sieht er erst einmal als eine sehr gute Sache. Dagmar Püschel wurde im Wahlkampf auch von Dietrich Schwarz unterstützt – logisch. Das war nicht einfach, und das bleibt noch seiner Erfahrung auch so. Ein Schuldenabbau sei wohl sehr schwer möglich. Selbst den laufenden Haushalt auf null Schulden zu stellen, gehe kaum.


Zudem sieht sie sich einer immer stärker werdenden Kontraposition der anderen Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung gegenüber, so wie das in anderen Orten wohl auch ist. „Ich hatte mir auch im Hinblick auf die jetzt abgelaufenen Gespräche zwischen der SPD und den LINKEN sowie der CDU um eine mögliche Regierungsbildung in Brandenburg einen offenen und kameradschaftlichen Umgang, wie wir ihn in der Vergangenheit schon einmal erlebt haben, gewünscht. Unsere Mannschaft um Christian Göhrke musste hart in der Sache verhandeln, aber freundlich im Ton.“ Das zumindest scheint gut gelungen zu sein, betont der gestandene Genosse aus Eisenhüttenstadt.

Fragen an Dietrich Schwarz

  • Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?

Mich hat mehr als überrascht, dass so viele Menschen überrascht waren, mit welcher Rigorosität die USA und ihre europäischen Partner den russischen Bären an der Nase herumführen wollen. Und es überrascht mich auch, dass sich die heutige Bundesrepublik immer stärker der DDR annähert – jetzt haben wir sogar hier schon immer wieder den gleichen Fußballmeister, so wie das früher der BFC Dynamo war.

  • Was ist für dich links?

Das ist in jedem Fall mehr als ich jetzt in meiner Partei erlebe. Auf eine For
mel gebracht heißt das: Zuverlässiger Antifaschismus, radikaler Friedenskämpfer, konsequenter Schutz des Grundgesetzes.

  • Worin siehst du deine größte Schwäche, worin deine größte Stärke?

Ich bin zu schnell kompromissbereit, das sehe ich manchmal als Schwäche an. Als Stärke kann ich anfügen, dass ich ausdauernd und geduldig ein Ziel verfolgen kann.

  • Was war dein erster Berufswunsch?

Tierpfleger im Leipziger Zoo. Bei Besuchen in der Messestadt hat es mich immer dahin gezogen.

  • Wenn du Parteivorsitzende wärst …

… würde ich dazu beitragen, dass das Scheinwerferlicht der Partei­arbeit öfter mal auf die Europäische Linke, unsere zweite Partei, gerichtet wird. Es genügt nicht, dass Gabi Zimmer ab und zu auf dem Parteitag spricht. Mehr Dinge, als wir glauben, sind mit europäischen Entscheidungen verbunden. Und zweitens würde ich als Parteivorsitzender helfen, dass unsere Politik nicht nur über Werte sondern Projekte vermittelt wird, dass neben Vernunft, Verstand, Rationalität auch Gefühle, Emotionen mehr Platz finden. Kultur und Humor sollten im Parteileben öfter eingesetzt werden. Und Geselligkeit darf nicht fehlen. Dazu Ernst Bloch 1974: „Die Unterernährung der politischen Fantasie muss aufhören.“

Text, Fragen und Foto: Jürgen Strauß, Erkner