25.11.2014
Gerrit Große, Peer Jürgens
Erschienen in: Widerspruch (Fürstenwalde, Brandenburg)

Gemeinschaftsschule kommt – egal wie sie heißt

Interview mit Gerrit Große, Bildungsexpertin der LINKEN Brandenburg und Mitglied der Koalitionsvertragsverhandlungsgruppe

Landkreis Oder-Spree

Widerspruch: 4 300 neue Lehrer sollen in den nächsten fünf Jahren neu eingestellt werden. Das ist ein großes Pfund für mehr Bildung in Brandenburg. Muss dafür woanders gespart werden?
Gerrit: Für uns LINKE ist gute Bildung ein Schwerpunkt, ob bei unserer Arbeit im Parlament oder außerparlamentarisch und nicht vom Schreibtisch aus, wir sind auch oft in Schulen und Kitas. (Auch den Sozialdemokraten ist Bildung wichtig.) Gut so, denn damit konnten wir gemeinsam Schwerpunkte festlegen. Und klar, es ist wie im realen Leben. Wenn Du Dir etwas leisten willst, musst Du genau dafür sparen und Deine Prioritäten setzen. Und genau das machen wir jetzt.

Die Gemeinschaftsschule ist für DIE LINKE nicht nur ein zentraler Begriff, sondern eine Philosophie. Die Gretchenfrage: Kommt sie oder kommt sie nicht?
Sie kommt, wobei der Name für mich sekundär ist. Auf den Inhalt und den Weg dorthin kommt es an. Und darauf haben wir uns verständigt. Längeres gemeinsames Lernen wird möglich, indem sich Schulen künftig zusammenschließen können. Aber nicht per Verordnung „von oben“ , sondern durch Impulse aus der Region. Diese sogenannten „Schulzentren“ sollen „von unten“ wachsen. Die Landesregierung wird dafür die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, wenn es von den Eltern, Lehrern und Schulträgern gewollt ist.

Auch im Kita-Bereich sind Verbesserungen geplant. Welche genau?
Wir wollen gute Bildung von Kindesbeinen an. In Brandenburg schicken besonders viele Eltern ihre Kinder in die Kita. Bei den 1- bis 3-jährigen liegt die Betreuungsquote bei fast 60 Prozent; bei den 3- bis 6-jährigen sogar bei 97 Prozent. Also ist die Kita ein zentraler Punkt im Leben vieler jungen Familien. Wir werden deshalb die Kind-Erzieher-Relation verbessern.
Künftig werden fünf Kinder im Alter bis zu drei Jahren von einer Erzieherin betreut, bei den etwas Älteren, also den 3- bis 6-Jährigen, sind es dann elf Kinder mit einer Erzieherin. Dass wir in beiden Altersgruppen den Betreuungsschlüssel verbessern werden, ist ein wirklicher Erfolg. Die Verbesserung dieses „Betreuungsschlüssels“ ist Grundvoraussetzung für gute Bildung von Anfang an.

Was hat es mit der Aufstockung des 510-Stellenprogramms auf 610 Stellen auf sich?
Wir werden damit wieder eine Lücke schließen, die eine Vorgängerregierung 2005 aufgerissen hat, als sie die 100 Stellen kürzte. Wir wollen damit die Grundvorraussetzung für mehr Schulsozialarbeit schaffen. Sozialarbeiter werden gerade in einer inklusiven Schule benötigt. Das ist ein guter Anfang…

Bist du insgesamt zufrieden?
Ja. Wir können damit unsere Projekte aus dem Wahlprogramm verwirklichen und starten eine wirkliche Initiative für gute Bildung und langes gemeinsames Lernen in Brandenburg. Das waren harte Verhandlungen und wir sind zu einem sehr guten Ergebnis gekommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte für Widerspruch Peer Jürgens, Vorsitzender DIE LINKE Oder-Spree