11.11.2014
Achim Müller
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Gerechtigkeit ist sein Markenzeichen

Ohne Einbeziehung der Mitarbeiter kein erfolgreiches Unternehmen!

Alt Ruppin

Ich konnte und kann es auch heute noch nicht verstehen, wenn Menschen ungerecht behandelt werden. So oder ähnlich reagiert Genosse Heinz Venhaus, wenn man mit ihm über sein Leben, das er zum Großteil in den alten Bundesländern verbrachte, spricht.

Heinz, ein sehr rüstiger Endsiebziger, sitzt mit mir in seiner Küche in Katerbow, wo er mit seiner Frau Astrid und seinen Töchtern seit 6 Jahren lebt. Er erklärt mir, warum er einen Leserbrief zur paritätischen Besetzung des Aufsichtsrates der Pro Klinik Holding geschrieben hat, und für den er Kritik einstecken musste. Das ist für ihn gar nicht nachvollziehbar, denn er weiß, wovon er spricht. Schließlich war Heinz langjähriges Betriebsratsmitglied im Neckermann-Versandhandel und somit ein Vertreter von 4.000 Beschäftigten. In mehreren (gewonnenen) Gerichtsverfahren hat er Arbeitnehmer, deren Rechte beschnitten wurden, vertreten. In der Zeit als Betriebsratsmitglied lernte er die Bedeutung einer paritätischen Besetzung des Aufsichtsrates eines Großunternehmens schätzen. »Ohne die paritätische Besetzung wären manche Entscheidungen des Unternehmens nicht im Sinne der Arbeitnehmer getroffen worden«, betont Heinz immer wieder. »Wir mussten einen steten Kampf, der zum Teil sehr erbittert war, um die Mitarbeiterinteressen führen, auch um somit die gute Entwicklung des Unternehmens nicht zu gefährden.« Ohne eine intensive Einbeziehung der Mitarbeiter in die Entscheidungsfindung des Unternehmens kann kein Unternehmen erfolgreich sein. Dieses Fazit zieht Heinz Venhaus aus seiner langjährigen Gewerkschaftsarbeit.

Und dann kommt Heinz auf die paritätische Besetzung des Aufsichtsrats der Pro Klinik Holding zu sprechen und zeigt völliges Unverständnis für die Handlungsweise des Landrats Reinhard und derjenigen Kreistagsabgeordneten, die dessen Kurs unterstützen. »Eigentlich ist es doch ein Verdienst der SPD und der Gewerkschaften, dass das Mitbestimmungsgesetz erlassen wurde, und noch heute ist es ein Grundanliegen der SPD genauso wie der LINKEN, die Arbeitnehmerinteressen vollumfänglich zu wahren.« »Als ich das Programm sowie weitere diesbezügliche Veröffentlichungen der LINKEN las, kam ich zu der Einschätzung: Hier sind die Arbeitnehmerinteressen in den richtigen Händen«. Dies sagt Heinz Venhaus aus vollster Überzeugung, und das ist, wie seine Frau Astrid ergänzt, auch heute noch sein Lebensmotto.

Er steht als überzeugter LINKER voll hinter den Interessen der Belegschaft der Pro Klinik Holding. Dass man hier das Betriebsverfassungsgesetz mit allen nur möglichen Tricks aushebeln will, lässt bei Heinz die Zornesröte ins Gesicht steigen. »Wir haben Jahrzehnte in Westdeutschland darum gekämpft und haben angenommen, dass hier im Osten diese Errungenschaften genutzt werden können. Aber jetzt erleben wir, dass ein parteiloser Landrat sich wie ein Arbeitgeber, der ein Parteibuch der CDU oder FDP hat, »präsentiert«, empört sich Heinz.

Diese Denk- und Handlungsweise des Landrats »färbt« wahrscheinlich auf seine Mitarbeiter ab. Zu dieser Meinung kommen Heinz und seine Frau Astrid, als plötzlich 3 oder 4 LKW hintereinander vor dem Haus vorbei brausen und wir uns kaum noch verständigen können. Als wir uns bei der Kreisverwaltung darüber beschwerten, wurden wir einfach abgespeist. »Schließlich ist ja noch kein schwerer Unfall passiert«, war die lapidare Antwort des zuständigen Mitarbeiters, erklärt mir Heinz (Der Unfall in Rägelin, bei dem ein LKW fast ein ganzes Haus zerstört hat, war wahrscheinlich noch nicht schwer genug!). Aus diesem Grund beabsichtigen die Eheleute Venhaus eine Sammelpetition an den Landtag zu verfassen, für die sie gegenwärtig weitere Unterschriften sammeln.

Für Interessierte:
Heinz Venhaus ist Vorsitzender der deutschlandweiten Arbeitsgemeinschaft Amateurfunk-Fernsehen (AGAF) und Redaktionsleiter der Mitgliederzeitschrift
»TV- AMATEUR«.

Dieses Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Achim Müller.