14.10.2014
Kirsten Tackmann
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Auch in Ostprignitz-Ruppin sollen Flüchtlinge willkommen sein

Neuruppin

Es scheint, die Welt gerät aktuell noch mehr aus den Fugen als sonst. Die Militarisierung der Außenpolitik in der EU und auch in der Bundesrepublik hat dazu beigetragen, die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und in der Ukraine zu schüren. Die Waffenexporte gerade auch aus deutschen Rüstungsschmieden sichern, dass die Lunte weiter brennt.

Aber wo um Macht, Einfluss und Ressourcen gekämpft wird, zahlt die Zivilbevölkerung die Zeche. Politik nach dem Prinzip »der Feind meines Feindes ist mein Freund« wird so immer auf dem Rücken derer ausgetragen, die mit den Auseinandersetzungen eigentlich nichts zu tun haben - ihr Leben wird zerstört.

Selbst der deutsche Entwicklungshilfeminister, Gerd Müller (CSU), sagte dieser Tage in einem Interview, dass Geld für Waffenlieferungen immer sehr schnell bereit gestellt wird, während Nothilfeprogramme nur sehr schleppend auf den Weg gebracht werden und unterfinanziert sind. Hinzu kommt, dass auf dem Weg in die Krisengebiete viele von der Geldquelle profitieren, so dass am Ende für die tatsächliche Hilfe oft nicht mehr viel übrig bleibt.

Ja, diese Probleme müssen politisch gelöst werden. Aber es wäre unmenschlich, den Flüchtlingen nicht dennoch zu helfen, die jetzt vor dem Krieg fliehen. Gerade die Kinder in diesen Familien müssen die Erfahrung machen, dass es Menschen gibt, die mit ihnen respektvoll umgehen und sie in einem fremden Land die Chance auf Bildung und gesunde Entwicklung haben. Dafür müssen in Bund, Land und Kommunen die Grundlagen geschaffen werden. Deshalb muss es um mehr gehen, als ein Dach über den Kopf zu organisieren. Obwohl auch diese Aufgabe nicht so leicht zu lösen ist angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen und der ohnehin schwierigen Situation in den ländlichen Räumen, weil zum Beispiel Bus- und Bahnanbindungen fehlen.

Vieles muss natürlich durch die Verwaltungen geklärt werden. Der Landrat ist hier in einer besonderen Verantwortung für ein gemeinsames Agieren von Landkreis und Kommunen einschließlich der frühzeitigen Einbindung der Einwohnerinnen und Einwohner. Aber es reicht nicht, auf die administrative Verantwortung zu verweisen. Wir alle sollten bereit sein, das jeweils uns mögliche zu tun, um den Familien ihre schwierige Situation zu erleichtern und sie in unsere Gesellschaft aufzunehmen - Lentzke hat es vorgemacht. Das offene Ansprechen der zu lösenden Aufgaben hilft dabei ebenso wie die Bereitschaft, die Flüchtlinge willkommen zu heißen und nicht auf »Probleme« zu reduzieren. Je schneller wir uns gegenseitig kennenlernen, desto größer wird die Chance, sich auch zu verstehen. Sport kann zum Beispiel auch über Sprachbarrieren hinweg verbinden.

Und vergessen wir bei allen Schwierigkeiten nicht: es geht um Menschen, von deren Lebenserfahrungen, Wissen und Traditionen unser Leben bereichert werden kann, wenn wir es zulassen oder noch besser: bereit sind, dazu aktiv beizutragen.

Kirsten Tackmann, MdB