24.09.2014
Hans Weiske
Erschienen in: Mittelsächsische LinksWorte (Mittelsachsen, Sachsen)

Landtagswahlen Sachsen - Ergebnisse der LINKEN in Mittelsachsen

Die Landtagswahlen vom 31. August 2014 sind Geschichte. Die sachsenweiten Ergebnisse werden auf der nächsten Doppelseite in einem Gastbeitrag von Professor Ekkehard Lieberam auf den Prüfstein gestellt. Mehrere solcher mit heißer Feder gestrickten Analysen unmittelbar nach den Wahlen - teils auch zu ganz speziellen Aspekten des Wahlergebnisses - sind in der neuesten Ausgabe von „Sachsens Linke“ enthalten. Es lohnt sich, sie gründlich zu lesen und seine persönliche Wahleinschätzung mit den dort getroffenen Wertungen zu vergleichen.


Diese durchaus differenzierten Wertungen in eine Form zu gießen und daran die im Vorfeld ausgegebene Wahlstrategie zu messen, obliegt jetzt dem Landesvorstand. Der hat bei einer ersten Auswertung am 1. September entschieden, eine offene und kritische Wahlauswertung vorzunehmen. Dort heißt es weiter: „Wir müssen miteinander diskutieren, was funktioniert hat – organisatorisch und strategisch - und unsere Schwächen klar benennen und Lösungen entwickeln. Es geht nicht um Schuldzuweisung oder die Nicht-Wahrnehmung von Verantwortung, sondern um eine in die Zukunft gerichtete Diskussion. Wir werden nicht mehr Mitglieder – umso wichtiger ist, dass wir unsere Kräfte dementsprechend dafür einsetzen, was wir mehrheitlich als wichtig einschätzen. ... Wir haben entschieden und mit der Fraktion abgesprochen, dass wir zum einen alle Wahlen 2013/2014 bei der Auswertung betrachten wollen, weil wir in dieser Zeit Entwicklungen hingelegt haben und zum Beispiel die detaillierte Auswertung und Betrachtung der Kommunalwahlen noch offen ist“. Als erster Schritt dahin sind im Oktober drei offene Regionalkonferenzen zur Wahlauswertung vorgesehen.


Auch der Kreisvorstand der mittelsächsischen LINKEN hat am 8. September eine erste Einschätzung der Ergebnisse der Landtagswahlen vorgenommen. Ganz simpel gesagt: Wir schwimmen im Strom mit den Kreisverbänden der anderen neun Landkreise Sachsens. Mit Ergebnissen und Tendenzen, die man vielleicht am ehesten mit dem Attribut „Mit einem blauen Auge davongekommen - kritische Analyse nötig“ versehen kann, wie es Monika Runge in ihrem Artikel für „Sachsens Linke“ getan hat. Aber das ist schon wieder eine Frage des Blickwinkels. Es wird eine gründliche Auswertung mit den Vorsitzenden der Ortsverbände mit Unterstützung von Genossen aus dem Landesvorstand geben, über die wir selbstverständlich ausführlich berichten werden. Der Termin stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Bemerkungen zu den drei Tabellen, welche Sie unter www.linksworte-mittelsachsen.de/ausgaben/85.pdf auf Seite 4/5 finden:

  • An erster Stelle der Probleme steht die seit 2004 um mehr als zehn Prozent gesunkene Wahlbeteiligung (siehe Tabelle 3). Der mittelsächsischen LINKEN ist es erneut nicht gelungen, ihr Wählerpotenzial zu aktivieren bzw. neue Wählergruppen zu gewinnen. Setzt man die Anzahl der Wahlberechtigten (Tabelle 2) ins Verhältnis zur Zahl der ca. 24.000 Listenstimmen für die LINKE (Tabelle 1), so ergibt sich, dass gerade einmal neun Prozent der wahlberechtigen in Mittelsachsen ihre Stimme der LINKEN gaben.
  • Die mittelsächsische LINKE hat nicht nur durch die geringere Wahlbeteiligung erheblich an Stimmen verloren, sondern auch durch den seit 2004 um mehr als vier Prozent gefallenen Zweitstimmenanteil. (siehe Tabelle 3).
  • Als - relativer - Erfolg ist zu werten, dass die Ergebnisse unserer fünf DirektkandidatInnen in ihren Wahlkreisen (siehe Tabelle 2) fast alle über den Vergleichswerten unserer DirektkandidatInnen von 2009 liegen. Allerdings muss dazu angemerkt werden, dass die AfD in keinem unserer fünf Wahlkreise einen Direktkandidaten nominiert hat. Dieses Potenzial von ca. zehn Prozent der Wähler ist bei den Erststimmen den anderen Parteien, darunter auch der LINKEN zugeflossen.
  • Deshalb ist die höhere Zahl der Erststimmen im Vergleich zu den Stimmen für die Partei auch kein Phänomen der LINKEN.
  • Wir haben auch zur Landtagswahl in Mittelsachsen unseren zweiten Platz unter den Parteien verteidigt und setzen uns weiter klar von der SPD ab.
  • Die CDU hat - was keine Überraschung ist - auch in Mittelsachsen alle Direktmandate errungen. Und das mit Ergebnissen weit über 40 Prozent. Was die Listenstimmen betrifft, liegt die CDU in Mittelsachsen bei über 45 %, wäre also einer - theoretischen - absoluten Mehrheit sehr nahe.
  • Die FDP ist mit Ausnahme des Wahlkreises Mittelsachsen 4 unter die 5-Prozent-Grenze gefallen, hat aber in Mittelsachsen noch immer ein größeres Wählerpotenzial wie die Grünen.
  • Rechtsaußen liegt die NPD in Mittelsachsen weiter knapp unter der 5-Prozent-Grenze (Tabelle 1), während die rechtskonservative AfD (Tabelle 1) fast 13.000 Stimmen auf sich vereinen konnte.