03.09.2014
Margitta Mächtig
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Gesundheit geht vor

Margitta Mächtig: Kliniken haben Verantwortung für die Region

Die Klinikum Barnim GmbH ist eines von fünf Krankenhäusern der GLG in Eberswalde, Angermünde, Prenzlau und Wolletzsee
Eberswalde/Barnim

Es hört sich in der Bilanz der LINKEN so einfach an: Alle 62 Krankenhausstandorte im Land Brandenburg erhalten. 400 Millionen € wurden in den vergangenen 5 Jahren investiert – und das soll auch in der nächsten Wahlperiode so bleiben. Aber das sind nur die Zahlen. Konkreter wirds, wenn es um einzelne Standorte geht – je weiter weg von der Metropole Berlin, umso schwieriger. Zum Beispiel 2012 bei der Gesellschaft Gesundheit und Leben mbH (GLG), ein Unternehmen der Landkreise Barnim, Uckermark und der Stadt Eberswalde. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter streikten für bessere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. „Eine Möglichkeit, den Konflikt zu lösen war, Investitionen zu strecken und damit Gelder für eine bessere Vergütung der Belegschaft zur Verfügung zu haben", erläutert die Kreis- und Landtagsabgeordnete der LINKEN, Margitta Mächtig, die Mitglied im Aufsichtsrat der GLG ist.

Außerdem sollten zwei Kliniken der Uckermark in Prenzlau und Angermünde in den GLG-Verbund übernommen werden. „Diese Entscheidung war richtig", betont Margitta Mächtig. „Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung für den Erhalt der Krankenhäuser, der gesundheitlichen Versorgung in den nicht so dicht besiedelten Gebieten des Landes. Dafür habe ich mich vor 10 Jahren stark gemacht und dazu stehe ich auch heute."

In der Regierungszeit der „Rot-Roten" Landesregierung wurde bereits die zuvor übliche Einzel- und Pauschalförderung für Investitionen auf eine Investitionspauschale für jedes Krankenhaus umgestellt.„Auch wenn damit nicht alle Probleme gelöst wurden, die Chance eigenständige Entscheidungen im Unternehmen zu treffen, stieg an. Die GLG hat in die Modernisierung von Prenzlau und Angermünde investiert, um die Standorte attraktiver zu machen," erläutert Margitta Mächtig die Strategie für den berlinfernen Raum.

Dennoch muss der Aufsichtsrat darauf achten, dass für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern gute Arbeitsbedingungen herrschen und die Bezahlung stimmt. Selbstkritisch räumt Margitta Mächtig ein, dass der Aufsichtsrat bis 2012 nicht immer für jede einzelne Station der GLG die Bettenkapazität mit dem Personalbestand abgeglichen habe. „Die Bilanzen sahen gut aus, aber das reicht nicht. Wir haben deshalb das Gesundheitsmanagement für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst verbessert, auch, um den Krankenstand zu senken."

Der Barnimer Nachbarkreis, die Uckermark, flächenmäßig so groß wie ein ganzes Bundesland, nämlich das Saarland, aber mit geringerer Einwohnerdichte, ist besonders gebeutelt, wenn es um den Erhalt von wichtigen Einrichtungen geht. So schloss das Asklepios Klinikum Uckermark Anfang 2012 wegen Ärztemangel die Kinderklinik in Schwedt. Das Brandenburger Gesundheitsministerium unter Ministerin Anita Tack (LINKE) sorgte gemeinsam mit dem Haus, Vertretern aus Wirtschaft, Lokalpolitik und ortsansässigen Vereinen mit einer groß angelegten Werbekampagne zur Kinderarztsuche dafür, dass die Klinik wiedereröffnet wurde. „Klar muss aber auch sein", kommentiert Margitta Mächtig, „dass vor allem große Gesundheitskonzerne den Versorgungsauftrag in einer Region erfüllen müssen – auch wenn sie nicht so dicht besiedelt ist."

Um in Brandenburg die flächendeckende ärztliche Betreuung zu sichern, hat die LINKE deshalb mit dem Aufbau von Medizinischen Versorgungszentren, von Bereitschaftspraxen und dem Modellprojekt „AGNES", einer modernen Gemeindeschwester, begonnen.

Und künftig müssen gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen Wege für eine flexiblere stationäre und ambulante Versorgung gefunden werden. „Es ist nicht zu erklären, wieso es bei Fachärzten teilweise Wartezeiten von Monaten gibt, obwohl sie freie Zeiten hätten, aber diese von den Kassen nicht bezahlt kriegen", setzt Margitta Mächtig einen weiteren Schwerpunkt für die nächsten Jahre.