01.07.2014
Dr. Gabriele Hiller
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Braucht Berlin Olympische Spiele?

Bemerkungen einer leidenschaftlichen Sportlerin

Berlin Marzahn-Hellersdorf

Der Senat tut es doch. Wider alle Vernunft. Entgegen den Erfahrungen beim Volksentscheid zur Nutzung des Tempelhofer Feldes. Trotz seiner Bauchlandung bei seiner Bewerbung im Jahre 1993: Er will Olympische Spiele nach Berlin für 2024 bzw. 2028 holen. Klaus Wowereit weiß angeblich, „Berlin kann Olympia“. Nun sollen also die dreizehn Fragen, die der DOSB stellte, um sich besser zwischen Hamburg und Berlin entscheiden zu können, beantwortet werden.

Das Wichtigste aber versäumt der Senat wieder – er bezieht die Bevölkerung nicht in die Entscheidung zur Bewerbung ein. Er antwortet den Bürgern nicht auf Fragen, z. B. nach den wirtschaftlichen und finanziellen Risiken, die auf die Berliner*innen zukämen. Nach Verdrängungsängsten. Nach Teuerungsraten bei Mieten und im öffentlichen Personennahverkehr, nach den Knebelverträgen, die das IOC den ausrichtenden Städten auferlegt. Und das in einer Schuldenstadt, wie Berlin eine ist! Ich kann mich dem „Tagesspiegel“ nur anschließen, „Olympia wäre eine Katastrophe“. Eine Katastrophe für soziale Projekte, für Investitionen im Bildungsbereich und auch für den Breitensport. Denn schon heute findet z.B. in den Bädern der Stadt durch die steigenden Preise eine Ausgrenzung sozial Benachteiligter statt. Schon heute werden Trainer in Berlin schlechter bezahlt als in anderen Bundesländern. Übungsleiter erhalten ganze 1.34 €/Stunde Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeit. Jedes dritte Kind in Berlin ist arm, das hat auch Auswirkungen an seine Möglichkeiten, an Sportveranstaltungen und Trainingslagern teilzunehmen.

Wenn ab sofort Investitionen vor allem mit Blick auf die Ausrichtung der Olympischen Spiele gemacht werden, muss an anderen Stellen also „gespart“, ja gestrichen werden. Nein, der Senat hat kein Konzept zur Finanzierung der Spiele, aber er verspricht sich einen Gewinn. Wie das bei Kosten der Spiele, die in London bei ca. 12,3 Mrd. € lagen, gehen soll, kann er nicht erklären. Es wird von „Investitionen in die Zukunft“ gesprochen, von der Beteiligung der Industrie an den Kosten. Welche zwei, drei Berliner Firmen sollen das denn sein?

Nein, DIE LINKE will sich auf ein solches Abenteuer nicht einlassen. Nicht mit diesem Senat. Nicht mit diesem intransparenten, korrupten IOC. Nicht in dieser armen Stadt Berlin. Es wird Zeit, ein breites Bündnis gegen die aktuelle Politik des Senats zu schmieden. Nolympia wird sich finden, damit die Bewerbung bereits in den Anfängen stecken bleibt.