13.04.2018
Frank Beiersdorff
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Wem gehört das Wuhletal?

Der Fabiansteich im Wuhletal
Marzahn-Hellersdorf

Das Wuhletal ist der längste zusammenhängende Grünzug Berlins, lässt auch noch den Charakter einer nacheiszeitlichen Schmelzwasserrinne mit Resten alter Moore und Verlandungszonen erkennen. Einst gab es viele Pflanzenfresser, die das Land offen hielten, später gab es extensive Weidehaltung. Nach Einstellung der Rieselfeldwirtschaft war es die Frage, die Landschaft mit Pflege zu erhalten oder sie einer spontanen Bewaldung zu überlassen. Letzteres wäre keine gute Idee, denn das Wuhletal ist nun mal keine Wildnis, Neophyten würden sich ausbreiten. Eine intensive Pflege des Gebietes durch Mensch und Maschine käme aus Kostengründen nicht in Frage, wäre auch biologisch-ökologisch nicht sinnvoll. Wurde ich vor Jahren noch belächelt, hatte ich dem Grünflächenamt mal empfohlen, „holen Sie sich doch ein paar Leihschafe“, so ist heute die Idee der Beweidung weit verbreitet. Sie ist kein Allheilmittel, bedarf der fachlichen und öffentlichen Begleitung, gerade auch was die Auswahl der Arten bzw. Rassen und deren Einpassung in die örtliche Ökologie betrifft. Doch Angst machen, wie eine gewisse Bürgerinitiative und deren Vertreter/innen bei der kürzlichen Veranstaltung zum „Bürgerdialog“ im bezirklichen Informationszentrum? Pferde, Rinder und Schafe sollen künftig im Rahmen eines mit Naturschutzverbänden erarbeiteten Projektes „Arche-Park“ auf knapp 11 ha Fläche weiden. Und zwar auf Flächen auf denen der normale Besucher eigentlich nichts zu suchen hat! Die Dülmer Pferde sind schon da, Rinder und Schafe stehen auf umzäuntem Parkgelände. Nach den Pöbeleien in der Veranstaltung, den Schmierereien im Anschluss und dem Anschlag auf die japanischen Zierkirschen auf dem Gelände der Gärten der Welt ist es wohl nur eine Frage der Zeit, dass einige Menschen sich ihr Mütchen auch an diesen Tieren „kühlen“ würden. Wir sind als LINKE immer für eine öffentliche Zugänglichkeit von Flächen eingetreten, doch sollte sich die „Stadtgesellschaft“ nicht zur Geisel „organisierter Wutbürger“ machen lassen.