09.04.2018
Dr. Heinrich Niemann
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Schloss Biesdorf vor seinem 150. Geburtstag

Schloss Biesdorf noch als Modell
Marzahn-Hellersdorf

Als vor nun bald 20 Jahren Dr. Günter Peters und weitere Enthusiasten mit ihrer Vereinsgründung der „Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf“ die bauliche Rettung und den Wiederaufbau des 1868 entstandenen und 1945 brandzerstörten Schlosses Biesdorf auf die bezirkliche Tagesordnung setzten, war das der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die mit der Eröffnung des wiederaufgebauten Schlosses, einer schönen spätklassizistischen Turmvilla, vor zwei Jahren im September 2016 endete.

Zum diesjährigen 150-jährigen Jubiläum des Schlosses ist mit Freude festzustellen:
Das Gebäude des Schlosses Biesdorf hat seine schöne historische äußere Gestalt wiedererhalten. Es gehört zu den seltenen in Berlin erhaltenen gebliebenen „herrschaftlichen Häusern“. Es ist in Berlin das älteste Bauwerk des Architekten Heino Schmieden, kongenialer Partner von Martin Gropius. Der Wiederaufbau wurde durch die Gemeinschaft Pinardi-Architekten und PMS Projekt Consult Engineerung GmbH solide ausgeführt und innen für eine Galerienutzung vorbereitet. Ich habe immer wieder die Anerkennung vieler Besucher aus ganz Berlin und von außerhalb hören dürfen.
Mit dem neuen alten Schloss Biesdorf ist hier im Osten Berlins, in unserem Bezirk ein attraktiver Ort im Eigentum des Bezirks, also der öffentlichen Hand, in das Blickfeld geraten, der große Möglichkeiten einer anspruchsvollen und die Bürger einbeziehenden Nutzung birgt.
Das Schlossjubiläum ist bestens geeignet, sich dieses Potentials und der Aufgaben bewusst zu werden.
Das Ensemble von Schloss und Park Biesdorf - besonderer und attraktiver Ort der Kunst, der Geschichte und der Begegnung für Berlin. Das ist die Vision.
Entscheidend ist für mich, jetzt das Konzept der Galerie auf der Grundlage des Förderzwecks sorgfältig neu zu justieren. Dabei sind Erfahrungen der bisherigen Ausstellungen im Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum auszuwerten. Nun - wie ursprünglich vorgesehen - Kunstwerke aus der DDR, so aus dem Kunstarchiv in Beeskow, auszustellen, ist doch hochaktuell. Andere Ausstellungen – wie Barberini in Potsdam - beweisen es. Selbstverständlich ist dabei Dialog denkbar, sinnvoll und nötig mit Gegenwartskunst, auch mit in unserem Bezirk lebenden Künstlern, mit Werken der Westberliner Künstlerförderung … Nicht vergessen werden darf ein Ort für Werke von Otto Nagel.
Die vielfältige Schlossgeschichte ist ein Spiegel Berliner Geschichte. Natürlich ist das die Siemenszeit, aber auch, wie es zum Missbrauch durch die Nazis kommen konnte. Aus der Art und Weise der fast vier Jahrzehnte währenden kulturellen Arbeit in der DDR wäre vielleicht auch zu lernen. Diese Geschichte noch besser herauszuarbeiten lohnen die Besucher. Mit unserer Vortragsreihe mit der Volkshochschule und mit Führungen tragen wir dazu bei.
Wir arbeiten gemeinsam mit Kulturstadträtin Juliane Witt, dem Fachbereich Kultur und weiteren Akteuren am künftigen Veranstaltungsprofil mit. Wir begrüßen, dass es wieder Schlosskonzerte geben wird. Die nächste BIESDORFER BEGEGNUNG am 23. April 2018, 18 Uhr, wird mit Matthias Platzeck zu den deutsch-russischen Beziehungen stattfinden. Zum Biesdorfer Blütenfest vom 10. bis 13. Mai 2018 wird das Jubiläum gefeiert. Am 11. Mai wird der große Saal des Schlosses den Namen „Heino-Schmieden-Saal“ nach dem Architekten des Schlosses erhalten. Vor 150 Jahren wurde dessen Werk Hans Herrmann von Rüxleben und seiner Frau Anna Pauline Griebenow als Hochzeitsgeschenk übergeben.
Der Autor, seit 2007 Vorsitzender des Vereins, war als Stadtrat seit der Bezirksfusion 2001 an Entscheidungen zum Schlossprojekt beteiligt.