08.02.2018
Dr. Uta Sändig
Erschienen in: HavelBrandung (DIE LINKE.Brandenburg an der Havel, Brandenburg an der Havel, Brandenburg)

Woran merkt man, ob die Presse lügt?

Aus unserer Rubrik „Im Lexikon geblättert“

Mit "Presse" ist die "Gesamtheit der Zeitungen und Zeitschriften und ihrer Institutionen" gemeint. Das sinnverwandte Fremdwort „Printmedien“ schließt darüber hinaus auch andere Druckerzeugnisse ein, wie Bücher, Flyer und Broschüren. Wenn von "Lügenpresse" die Rede ist, kommt eine zusätzliche Begriffserweiterung zum Zuge: Nicht nur gedruckte Texte sind gemeint, sondern auch solche, die über elektronische Kanäle verbreitet wurden. Dadurch entsteht, wie auch durch das Bestimmungswort "Lüge", eine Mehrdeutigkeit. Lüge meint die "bewusst falsche Aussage zur Täuschung anderer", aber in den sinnverwandten Wörtern Unwahrheit, Halbwahrheit, Irreführung, Flunkerei, Ausflucht, Zwecklüge – um nur einige zu nennen – kommen unterschiedliche Motive für die Lüge und unterschiedliche moralische Bewertungen zum Ausdruck. Wer "Lügenpresse" sagt, will damit meist eine pauschale moralische Verurteilung der Medien zum Ausdruck bringen, ohne sein Urteil begründen zu müssen. Natürlich werden Menschen von bestimmten Medien bewusst für dumm verkauft oder manipuliert, z. B. von den zahlreichen bunten Blättchen oder der Werbeindustrie – eine banale Tatsache, die der Erwähnung kaum wert ist.

Weniger banal sind Erkenntnisse der Verstehenstheorie, die besagen, dass der kräftigste Impuls, einem Bericht, einer Meinung, einer Botschaft zuzustimmen, in der "individuellen Sinnvergewisserung" liegt. Salopp gesagt, schmort man am liebsten im Saft seiner eigenen Ansichten. Und was passiert, wenn eine Information der eigenen Meinung oder Erfahrung zuwider läuft oder den persönlichen Bildungshorizont übersteigt? Wie schnell ist man dann dabei, diese Information als Lüge abzutun? Wobei die Gefahr nicht nur auf Seiten der Verbraucher, sondern auch auf Seiten der medialen Akteure besteht: Wie oft werden Fakten mit Wertungen vermischt, Vorurteile mit Urteilen, Wahrheiten im Interesse vorherrschender Meinungen zurecht gebogen, unbequeme Details verschwiegen? In diesem Dschungel durchzusehen, erfordert vor allem eines: Sich vielseitig zu informieren, komplexe Sachverhalte geistig und emotional zu durchdringen, die eigenen Ansichten von Zeit zu Zeit zu hinterfragen. Das kostet Mühe, aber bewahrt einen auch davor, "alternativen Fakten" auf den Leim zu gehen.