30.11.2017
Olaf Präger
Erschienen in: Mittelmark links (k² Potsdam, Landkreis Potsdam-Mittelmark, Brandenburg)

Gelebte Solidarität

Neun Jahre „Weihnachten für alle“ in Bad Belzig

Ökumenische Momente: Pfarrer B. Stegemann (Kath. Kirche) und Pfarrer Dr. Gestrich bei einer gemeinsamen Schicht im EDEKA im Klinkengrund.
Bad Belzig

Seit 2009 ermöglicht „Weihnachten für alle“ Menschen mit geringem Einkommen in Bad Belzig ein würdiges Weihnachtsfest. Auch in diesem Jahr wird es wieder so sein: Wenn in Bad Belzig die inzwischen traditionelle Solidaritätsaktion „Weihnachten für alle“ abgeschlossen ist - das wird am 16. Dezember sein - kann das Fest kommen. Den Bad Belzigerinnen und Bad Belzigern ist es inzwischen zur Tradition - einigen ein Bedürfnis - geworden, mit dieser Aktion Solidarität mit Bürgern zu üben, denen nur wenig Geld für das tägliche Leben zur Verfügung steht. Die Idee dafür stammt ursprünglich von der damaligen Fraktionsvorsitzenden der LINKEn in der Belziger Stadtverordnetenversammlung, Uta Hohlfeld. Und sie leistete für das Gelingen der ersten Aktionen ab dem Jahr 2009 Pionierarbeit. Heute ist der Titel „Weihnachten für alle“ vielen Bad Belzigern ein Begriff.

Doch wie funktioniert es? Alles steht und fällt mit der Bereitschaft von Einkaufsmärkten und Geschäften, Teil dieser Aktion zu werden. Wir in Bad Belzig haben mit allen Discountern und Supermärkten gesprochen - was einige Mühe und Überzeugungskraft und vor allem Zeit kostet, außerdem mit den Betreibern größerer Geschäfte in der Innenstadt. Im Ergebnis haben wir mit den EDEKAMärkten, mit NORMA und Penny (den es inzwischen in Bad Belzig nicht mehr gibt) und z.B. mit Schreibwarenläden Partner gewonnen. Als Verteiler haben wir die Vereine gewonnen, die ohnehin übers Jahr bedürftige Familien versorgen und die Kontakte haben - die Belziger Tafel und der Verein für Arbeit und Leben. Doch man muss auch eine eigene Struktur schaffen, Helferinnen und Helfer für diesen Tag gewinnen. Denn diese vermitteln den Kundinnen und Kunden der Märkte per Flyer das Prinzip der Soliaktion: Etwas zusätzlich zu dem, was sie selbst benötigen, einzukaufen. Am Ausgang können sie das Gekaufte in dafür bereitgestellte, weihnachtlich geschmückte Kartons legen. In einer Sammelstelle werden die Waren dann sortiert, weihnachtlich verpackt und für die Übergabe an die oben erwähnten Vereine vorbereitet.

Gesammelt wird alles, was das Angebot hergibt, haltbare Wurst und Käse, Fischbüchsen, Süßigkeiten, Nährmittel, Obst und Gemüse in Gläser und Büchsen, Kakao, Kaffee, Tee aber auch Kosmetika, Schreibwaren, Spielzeug...

Die Organisatoren bemühten sich stets, die Aktion auf eine breite Basis zu stellen. So wurden Stadtverordnete anderer Parteien und Fraktionen angeschrieben und konnten als Unterstützer oder gar Helfer gewonnen werden. Fast in jedem Jahr hat sich das jeweilige Stadtoberhaupt beteiligt, Vereine und Verbände sind stets mit im Boot und auch die beiden Pfarrer der Kirchen lassen sich es seit ein paar Jahren nicht entgehen, gemeinsam als Helfer in einem Markt zur Verfügung zu stehen. So ist die Soliaktion ein städtisches Ereignis geworden.

Natürlich: Um die Ursachen der Armut zu beseitigen, ist mehr nötig als weihnachtliche Solidarität, die die Not nur kurzzeitig lindern kann. Nötig sind grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen, die dafür sorgen, dass die Umverteilung von unten nach oben endlich umgekehrt wird. Diese sind aber nicht in Sicht, schon gar nicht mit der sich abzeichnenden Jamaika- Koalition.

Immerhin ermöglicht die Aktion denjenigen ein würdiges Weihnachtsfest, denen sehr wenig Einkommen zur Verfügung steht. Menschen, die Hartz IV beziehen, die „aufstocken“ müssen, die an der Grenze des Existenzminimums „kratzen“ und auf die Nutzung der Lebensmittelausgaben angewiesen sind. Am schlimmsten trifft es immer die Kinder. Sie sind es, die für ihre wirtschaftliche Situation gar nichts können, ihre Armut aber Tag für Tag in Schule und Freizeit spüren. Deshalb wird es die Aktion auch in den nächsten Jahren wieder geben (müssen). Vielleicht auch bei Euch? Wir Bad Belziger beraten Euch gern.

Mehr im Internet vom Weihnachten für alle in 2016: --> www.dielinke-belzig.de/wfa16 bzw. ergänzt 2017: www.dielinke-belzig.de/wfa17

Abgabe- & Anlaufstellen für Ihre Hilfe:

Märkte & Geschäfte:
• EDEKA-Markt Erich-Weinert-Straße • EDEKA-Markt am Busbahnhof • NORMA-Markt Erich-Weinert-Straße • Rossmann Wiesenburger Straße • Schul- & Bürobedarf Höhne Straße der Einheit 7 • Buchhandlung Ritter Sandberger Straße 12 • Sabine hat‘s Wiesenburger Straße 13 Vereine

Abgabe ebenfalls möglich:
• Bad Belziger Tafel e.V. Hans-Marchwitza-Str. 1 Tel. 033 841 / 34 046 Di & Do, 10.00 - 13.30 Uhr Fr, 10.00 - 12.30 Uhr
• Verein für Arbeit & Leben e.V. Weitzgrunder Str. 4 (ehemalige EOS) Tel. 033 841 / 44 455 Mo, Di, Do, Fr, 11.00 - 13.00 Uhr

Kontakt für Unterstützer_innen und Helfer_innen:
• Gisela Nagel: Tel. 033 841 / 34 XXX Mail: gisela.nagel-ätt-dielinke-pm.de
• Angela Heyer: Tel. 033 841 / 31 XXX

Gebraucht werden
Wurst- und Fleischwaren, Obst, Gemüse, Milchprodukte, Schreib-, Sport- und Spielwaren, Drogerieartikel aber auch Tierfutter.