08.07.2017
Jens Gruszka, Ehemaliger Rettungsassistent
Erschienen in: Mittelmark links (k² Potsdam, Landkreis Potsdam-Mittelmark, Brandenburg)

Rettungsdienst kommunalisieren

Landkreis soll Verantwortung übernehmen

Potsdam-Mittelmark

Eins vorweg: egal in welcher Form der Rettungsdienst betrieben wird, es wird nicht teurer oder billiger für den Landkreis. Die Gebühr, welche pro Einsatz gegenüber den Krankenkassen der Patienten erhoben wird, berechnet sich wie folgt: Die Gesamtkosten des Rettungsdienstes des vergangenen Jahres werden durch die Anzahl der Einsätze dividiert. Kostenüberdeckungen müssen, Kostenunterdeckungen können spätestens im übernächsten Kalkulationszeitraum ausgeglichen werden. Im Klartext, der Rettungsdienst arbeitet kostendeckend und ist damit keine Mehrbelastung für den Landkreis! Im Landkreis Potsdam- Mittelmark wird fast die gesamte Ausstattung, also Rettungswachen, Fahrzeuge usw. direkt vom Landkreis gestellt oder bezahlt. Lediglich das Personal will der Landkreis nun wieder ausschreiben, statt die Verantwortung zu übernehmen und den Rettungsdienst zu kommunalisieren. Dies führt zu einem ruinösen Wettbewerb ausschließlich um Personalkosten. Haustarifverträge werden abgeschlossen und Bereitschaftszeiten nicht als Arbeitszeit anerkannt. Regelmäßige Ausschreibungen sorgen für überwiegend befristete Arbeitsverhältnisse. Junge Mitarbeiter haben kaum eine Chance Fuß zu fassen, ihre Familien vernünftig zu versorgen oder einen Kredit für ein Hausbau zu bekommen. Die Stellen werden oft nur noch als Sprungbrett in die Branche genutzt, um eine bessere Stelle z.B. in Nachbarlandkreisen, bezahlt nach Tarifvertrag im öff entlichen Dienst, zu bekommen. Es wird Zeit, dass der Landkreis seine Verantwortung selbst wahrnimmt. Nur so lässt sich dieser Trend beenden. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, die Verwaltung des Landkreises alle paar Jahre an einen billigeren Anbieter zu vergeben. Aber die Menschen, die zu ihnen kommen, um sie und ihre Angehörigen zu retten, setzt man diesen Druck aus.