20.11.2017
Freke Over
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Wie weiter mit den Öffentlichen?

Entwurf Landesnahverkehrsplan 2018-2022 für unsere Region so nicht annehmbar

Alle Signale auf Rot?
Rheinsberg

In den letzten Wochen ist endlich eine Debatte über die Zukunft des Schienenpersonennahverkehrs für unsere Region in Gang gekommen. Die dringlichste Maßnahme ist sicher eine kurzfristige Verbesserung des RE 6. Hier geht es um die zentrale Erschließung durch den öffentlichen Verkehr von Berlin nach Neuruppin und in den Nordwesten Brandenburgs. Eine Ausweichstelle im Bereich Sommerfeld - Beetz - Wall würde Betriebsabläufe sichern und die Möglichkeit eröffnen, Verspätungen zeitnah wieder auszugleichen. Nur mit dieser Ausweichstelle ist es möglich, einen Halbstundentakt bis Neuruppin zu fahren. Die Umsetzung wäre schon während der Streckensperrung wegen der Bauarbeiten an der Seedammtorbrücke in 2020 möglich. Dazu müssen Verwaltung, Planung und Entscheidungen mal zügig funktionieren. Wenn dann dabei noch ein zusätzlicher Haltepunkt in Wall abfallen würde, wäre viel Verbesserung mit verhältnismäßig geringem Mitteleinsatz erreicht.

Auch den Stundentakt nach Wittstock und Wittenberge sollte es nicht nur zur Landesgartenschau 2019 geben - dieser sollte dauerhaft eingerichtet werden.
Zweiter Schritt, weil deutlich aufwändiger, muss dann die Einbindung über Tegel bis Berlin- Gesundbrunnen sein. Land und Bahn sehen dieses im Moment für 2027 vor. Mit etwas gutem Willen und den Millionen, die Rot-Rot zusätzlich in die Mobilität investieren will, sollte eine Umsetzung schon bis 2023 möglich sein. Auch die Bestellung für die Strecke der RB 73 Neustadt - Pritzwalk - Meyenburg durch das Land gilt es zu verbessern, zwei Zugpaare sind noch kein Angebot.

Für den Tourismus in Rheinsberg ist der Ganzjahresverkehr mit großer Fahrradmitnahme und umsteigefrei in Löwenberg ein Muss. Würde dann noch ein Frühzug aus Rheinsberg fahren, wäre die Verbindung auch wieder für Pendler attraktiv. Selbst der Landrat Ralf Reinhardt, der sich im Kreis nicht für die Verbesserung des ÖPNV interessiert und aus meiner Sicht im Kreistag das größte Hindernis darstellt, um zu Veränderungen zu kommen, hat sich jetzt für den Ganzjahresbetrieb nach Rheinsberg ausgesprochen. Allerdings für ihn ungefährlich - als Anspruch auf die Infrastrukturmillionen des Landes aus der abgesagten Verwaltungsstrukturreform. Er könnte ja auch selbst aktiv werden und den seit Jahren von Rheinsberg geforderten Spätbus von Neuruppin kurzfristig realisieren.

Und es gibt auch noch viele weitere Punkte, wo es sich lohnt, immer wieder grundsätzliche Veränderungen im öffentlichen Verkehr einzufordern, zum Beispiel gerade jetzt bei der Erarbeitung des Landesnahverkehrsplans (LNVP) 2018-2022. Der Entwurf des LNVP 2018 des Brandenburger Verkehrsministeriums ist für unsere Region - höflich formuliert - unbefriedigend. Mir fehlt die Vision eines zügigen Ausbaus des Schienennahverkehrs auch in der Fläche. Im Zuge der parlamentarischen Bearbeitung sollte es uns gelingen, einige Veränderungen und Fortschritte zu erreichen.

Seit dem 23. Oktober 2017 läuft die Onlinebeteiligung zum Entwurf des Landesnahverkehrsplans (LNVP) 2018-2022. Sechs Wochen lang - bis zum 4. Dezember 2017 - können alle Interessierten den Entwurf des LNVP einsehen und Anregungen sowie Hinweise geben, die zu einer Qualifizierung des LNVP und damit des Bahnverkehrs in Brandenburg beitragen könnten.

Dazu nutzt bitte folgende E-Mail-Adresse: LNVP@mil.brandenburg.de

Der Entwurf des LNVP ist zu finden unter: http://www.mil.brandenburg.de/sixcms/detail.php/835726

Freke Over
Vorsitzender der Kreistagsfraktion DIE LINKE