22.08.2017
Christina Pudimat
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Stolpersteine in Kyritz

Kyritz

Seit 1996 verlegt der Künstler Gunter Demnig Stolpersteine, die die Namen und wichtigsten Lebensdaten von Opfern des Nationalsozialismus tragen und vor ihrem letzten frei gewählten Wohnsitz im Straßenpflaster auf öffentlichem Grund eingelassen werden. Inzwischen liegen in 1099 Orten Deutschlands und in zwanzig Ländern Europas Stolpersteine. Am 24. März 2017 wurden die ersten zwei Stolpersteine in Kyritz durch den Künstler Gunter Demnig verlegt.

Der jüdische Kaufmann Theodor Calmon, für den in der Kyritzer Prinzenstraße 1 ein Stolperstein verlegt wurde, ist 1856 in Kyritz geboren worden. Nachdem die Nationalsozialisten ab 1933 immer wieder zum Boykott jüdischer Geschäfte aufriefen, wurde auch das Haushaltswarengeschäft von Theodor Calmon überfallen und er verlor daraufhin seine Kundschaft.
Calmon wurde von den Kyritzern zunehmend ausgegrenzt und seiner Existenzgrundlagen beraubt. Zwei Jahre nach dem Überfall verkaufte er sein Haus in der Kyritzer Prinzenstraße. Da er keine Unterstützung bei der Suche nach einer Mietwohnung fand, war er 1936 gezwungen, Kyritz zu verlassen und ging zu seiner bereits in Berlin lebenden Tochter Henny Lucie. Fünf Wochen später starb Theodor Calmon und wurde in Berlin beerdigt.


Calmons Tochter Henny Lucie, die 1883 in Kyritz geboren wurde und später in Berlin lebte, wurde 1942 deportiert und im Konzentrationslager in Sobibor ermordet. An ihr Schicksal erinnert der zweite Stolperstein.


Mit der Verlegung der Stolpersteine erfahren die Schicksale von Theodor Calmon und seiner Tochter Henny Lucie eine nachträgliche Anerkennung.

Christina Pudimat
Stadtfraktion DIE LINKE in Kyritz und
Vorsitzende des Kyritzer Heimatvereins