05.07.2017
Redaktion
Erschienen in: HavelBrandung (DIE LINKE.Brandenburg an der Havel, Brandenburg an der Havel, Brandenburg)

Doppelte Diskriminierung wegen sexueller Orientierung

2. Refugee-LGBTIQ*-Conference im Haus der Offiziere

Orgateam LGBTIQ*-Conference

Sich kennen lernen, austauschen, vernetzen, gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen und öffentliche Aufmerksamkeit für die eigenen Belange erzeugen - das waren die Schwerpunkte der zweiten Auflage der "Refugee-LGBTIQ*-Conference", die, wie im April des vergangenen Jahres, vom 9. - 11. Juni im Haus der Offiziere (HdO) stattfand. Das Motto lautete "love has no borders" (Liebe hat keine Grenzen). Die Konferenz wurde von unserem Orgateam, bestehend aus Geflüchteten und Unterstützer*innen, auf die Beine gestellt und richtete sich ebenso an LGBTIQ*-Geflüchtete wie an Unterstützer*innen.

Trotz Flucht geht die Diskriminierung weiter

In vielen Ländern werden nicht-heterosexuelle Menschen beleidigt, bedroht, diskriminiert, an den Rand der Gesellschaft gedrängt oder gar ermordet. In Brandenburg an der Havel hat sich in den vergangen zwei Jahren eine kleine Gemeinschaft von LGBTIQ*-Geflüchteten gebildet. (LGBTIQ* steht dabei für die englischen Anfangsbuchstaben von lesbisch, schwul, bi-, trans- und intersexuell sowie queer; der kleine Stern soll all jene mit einschließen, die sich nicht unter diesen Begriffen einordnen können oder möchten.)
In einem Übergangswohnheim in Deutschland angekommen, erfahren die Geflüchteten erneut Diskriminierung - von Mitbewohner*innen, aber auch vom Sicherheitspersonal. Viele Sozialarbeiter*innen in den Heimen sind für die Belange LGBTIQ*-Geflüchteter nicht ausreichend sensibilisiert. "Halt lieber den Mund. Zeig Deine Orientierung bloß nicht nach außen", sind dann die Ratschläge, denen sich die Geflüchteten gegenübersehen und damit erneut in eine Isolation geraten.
Und auch in Teilen der bundesdeutschen Bevölkerung sind homo- und transfeindliche Einstellungen verbreitet. Für die ersten drei Quartale 2016 gibt das Bundesinnenministerium 205 Straftaten an, bei denen die sexuelle Orientierung des Opfers im Mittelpunkt stand. Die Dunkelziffer wird als sehr hoch eingeschätzt.

Konferenz und Gay Pride

An der Konferenz nahmen circa 80 Menschen aus ganz Deutschland teil. Am Freitagabend diskutierten die Teilnehmer*innen in kleineren Gruppen über ihre Bedürfnisse und Ängste, die dann noch einmal in der gesamten Gruppe thematisiert wurden. Dabei kamen unter anderem spezielle Unterkünfte für LGBTIQ*-Geflüchtete, wie in Berlin oder Nürnberg, zur Sprache und es wurde die Forderung laut, LGBTIQ*-Geflüchtete in die Gruppe der so genannten besonders Schutzbedürftigen aufzunehmen.
Am Samstag wurden viele verschiedene Workshops für (LGBTIQ*-)Geflüchtete und Unterstützer*innen angeboten. So ging es zum Beispiel um Selbstorganisation, Asylrecht, Gesundheit und Beratung. Der für alle sehr inhaltsreiche, aber auch anstrengende Tag ging mit einer Party im HdO zu Ende.
Am Sonntag folgten rund 80 Menschen unserem Aufruf zur Gay Pride, einer bunten und ausgelassenen Demonstration für die Belange von LGBTIQ*s, hier geborene und neu zu uns gekommene.

Unser Dank gilt neben den Referent*innen den vielen Helfer*innen, die durch Tatkraft oder finanzielle Unterstützung diese Konferenz möglich gemacht haben. Ein besonderer Dank geht an die vegane Kochgruppe und das Team des HdO.

Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht! Kein Mensch ist illegal!

Das Orgateam der Refugee-LGBTIQ*-Conference