09.07.2017
Redaktion
Erschienen in: HavelBrandung (DIE LINKE.Brandenburg an der Havel, Brandenburg an der Havel, Brandenburg)

Bella gibt ihren Senf dazu

Hallo, Leute,

ick hab 'ne Kundin, die unsere bunten Blättchen im Salon "Scharfe Schere" links liegen lässt und in der Wartezeit Fontane liest. Jetzt hat se Band 6 der "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" beim Wickel.

Bella Branne

"Hören Sie mal", sagt se letztens, "was der Dichter über die 50 Fabrikschornsteine von Luckenwalde schreibt: 'Nicht mehr die Kirche bildet den Mittelpunkt geistigen Lebens, städtischer Interessen, sondern der Schornstein, der Säulenheilige des Gewerbefleißes.' Klingt das nicht schön?" Meine Kundin is Handwerkergattin und kriegt bei dem Wort Jewerbefleiß feuchte Augen.

"Lass stecken", sag ick zu ihr, "inzwischen isset wieder andersrum. Ick wollt et ja kaum glooben, als damals ein Stahlwerksschornstein nach dem andern umjelegt wurde. Und jetzt sind die Flutlichtmasten dran. Nix gegen det Paulikloster und die Johanniskirche, aber ein paar weltliche Wahrzeichen der Stadt hätte man doch stehen lassen sollen. Reicht doch schon, dass die Kirchen in einer atheistischen Stadt wie Brandenburg überproportional oft zu Wort kommen."

Meine Kundin jibt mir teilweise recht, merkt aber an, dass die Masten am Stahlstadion wohl nich mehr zu retten sind. Kaum noch funktionstüchtig und halb marode. Sie soll doch nich der Argumentation der Stadtverwaltung auf'n Leim jehn, sag ick, die scheut einfach die Kosten. Und die Gutachten, die jetzt vorliegen, kann man so oder so interpretieren. Die "Freunde des Stahlstadions" jedenfalls, zu denen mein Nachbar Peter jehört, haben schon janz viel ehrenamtlichet Engagement investiert, einschließlich Geldspenden, und würden det auch jern weiter tun.

Oder jeht et eigentlich um wat janz anderet? Jeht et darum, die Spuren zu tilgen, die die DDR hinterlassen hat? Det fragt sich mal wieder

Eure Bella Branne