16.07.2017
Redaktion
Erschienen in: HavelBrandung (DIE LINKE.Brandenburg an der Havel, Brandenburg an der Havel, Brandenburg)

Gibt es das: alternative Fakten?

Aus unserer Rubrik: Im Lexikon geblättert

Diesmal kann man im Lexikon blättern, soviel man will, der Widerspruch zwischen dem, was mit Fakten, und dem, was mit Alternativen gemeint ist, lässt sich beim besten Willen nicht auflösen. Trotzdem macht der Ausdruck derzeit als vermeintlich innovative Idee von sich reden.
Fakten werden als „nachweisbare Tatsachen“ definiert, Faktenwissen bedeutet „ins Einzelne gehende Sachkenntnisse“, deren Erwerb meist Mühe und Gehirnschmalz verlangt. Fakten haben, im Gegensatz zu Meinungen, den Anspruch, objektiv zu sein.

Wenn Meinungen nicht auf Fakten beruhen, sind sie wenig wert. Natürlich kann niemand daran gehindert werden, Fakten zu interpretieren oder je nach Interessenlage hervorzuheben, zu ignorieren, zu unterdrücken oder zu verdrehen – aber verwandeln sie sich deshalb in „alternative Fakten“?

Alternativ heißt, dass man „zwischen zwei (gegensätzlichen) Möglichkeiten wählen“ kann. Der Begriff bezieht sich also auf unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Lösung von Problemen oder auf unterschiedliche Lebens- und Gesellschaftsentwürfe. Die Fakten, von denen solche Möglichkeiten abgeleitet sind, ändern sich dadurch aber nicht.

Als Gegenwort zu Fakt oder Faktum nennt das Lexikon: „Trugschluss, Halbwahrheit, Lüge“. Die Begriffe bedeuten a) „eine Folgerung, die auf einem Denkfehler basiert“ b) „eine teils wahre, teils falsche oder auf Unkenntnis beruhende Aussage“ und c) „eine absichtlich falsche Aussage“. Ob die so genannten alternativen Fakten eher auf Denkfehler oder Unkenntnis zurückzuführen sind, also auf ein mieses Bildungsniveau, oder als gezielte Lügen daherkommen, ist hier zweitrangig. Es handelt sich jedenfalls nicht um Fakten, die diesen Namen verdient haben.