19.07.2017
Renate Adolph, Impulse, Märkisch-Oderland
Erschienen in: Pressefest Bernau (LAG Rote Reporter Brandenburg, Bernau, Brandenburg)

Bestimmt der Journalismus noch die öffentliche Meinung?

Ein Interview mit Journalisten aus zwei Generationen

Klaus Feldmann, Dagmar Enkelmann und Tom Strohschneider im Disput, der vom Publikum intensiv verfolgt und mit viel Zwischenapplaus begleitet wurde.
Bernau

Tom Strohschneider, Chefredakteur der Tageszeitung „neues deutschland“ und Klaus Feldmann, ehemaliger Nachrichtensprecher und Buchautor.

Dieser Frage stellten sich der Chefredakteur des „neuen deutschland“, Tom Strohschneider, und der ehemalige Nachrichtensprecher Klaus Feldmann in einer Talkrunde, moderiert von Dagmar Enkelmann. Einhelliges Votum: Schon die Wortverbindung Meinungsbild sagt aus, dass Meinungen wesentlich durch Bilder bestimmt werden. Die Diskussion bezog sich dabei ganz aktuell auf die sehr einseitige Berichterstattung der Leitmedien in der Bundesrepublik vom jüngsten G20-Gipfel in Hamburg. Krawalle bestimmten Wort und Foto. Sie ließen kaum Raum für Inhalte des Gipfels, für Positionen der verschiedenen Teilnehmer, geschweigen denn für die
Zehntausenden friedlichen Demonstranten. Brennende Mülleimer haben kaum Differenzierungen zugelassen. Journalisten und Politiker beeilten sich, die Ausschreitungen zu nutzen, die gesamte Linke zu diskreditieren. Der 1. Bürgermeister der Hansestadt, Olaf Scholz, untersagte gar
kritische Berichte über die Einsätze der Polizei. 32 Journalisten wurde ohne Angaben von Gründen die Akkreditierung entzogen. Eine umfassende Widerspiegelung der Ereignisse im Nachgang sei immer schwierig. Umso wichtiger sei es, dass linke Presse genau recherchiert und einordnet. Dabei helfe auch heute oder gerade heute Grundlegendes bei Marx nachzufragen.