29.05.2017
Juliane Witt
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Berlin ist bunt. Wir sind mittendrin. Aber auch am Rand!

Petra Pau (MdB), auch 2017 Bundestagskandidatin der LINKEN, und Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle beim Fest der LINKEN. Marzahn-Hellersdorf am 1. Mai dieses Jahres auf dem Cecilienplatz.
Marzahn-Hellersdorf

Wir sind inzwischen Großstadtpartei, in der urbanen Mitte, wir – DIE LINKE – treffen wieder das Lebensgefühl und die Hoffnungen junger Menschen, die in die Partei eintreten. Wir freuen uns über neue Engagierte, die sich damit auch ein klares Signal für Europa, für Gerechtigkeit erhoffen und dass ihnen, an unserer Seite – die Stadt gehören möge. Es ist gut, dass Stefen Liebich, der Ex-Biesdorfer als Typ mit Trenchcoat am Kolle von vielen als unser Mann angesehen wird: von dem alteingesessenen Genossen wie von der zugezogenen Schwäbin. Wir sind Mitte, und wir sind Neukölln, wir sind die Partei für Schwule, Migranten, Bäcker und Denker – und wenn wir in Kreuzberg gewinnen, dann auch für den Kotti und alle Dönerfreunde. Wir sind an der Seite der Kreativen, die als modernes Prekariat die Unsicherheit des Systems mit flockiger Attitüde verbinden müssen. Wir sind an der Seite derer, die nach langen Kämpfen ihre Wohnung und das gewohnte Umfeld verlieren sollen. An der Seite der Geflüchteten und deren Unterstützern, die für diese jungen Menschen Respekt, Wohnung, Arbeit finden. An der Seite derer, die versuchen, die Konflikte um Wohnraum, Arbeitsraum und Verkehrswege auszumoderieren.
Das ist richtig und zu Recht ein Markenkern der LINKEN. ABER: Berlin ist mehr!
Es gibt neben Chai Latte auch die Landsberger, neben dem Coworking Space auch den Platz derer, die als Langszeitarbeitslose keine Arbeit haben und sich in der Eckkneipe treffen, es gibt neben der Fahrradmobilität auch viele, die morgens um 6 im Stau stehen. Wir sind uns im Landesvorstand klar, dass DIE LINKE für alle Stadtteile steht, stehen muss und wir uns dieser Herausforderung stellen müssen. Wir müssen – auch in der Sprache und in der Ansprache achtsam sein.
„Ich kann hier nicht weg, ich muss mit meinem Atelier hier bleiben, sonst muss ich nach Marzahn” ist kein Spruch, der mittelfristig haltbar ist. Weder Künstler und Werkstätten, weder Geflüchtete und Obdachlose, weder Familien sind in der Innenstadt alle gut und gerecht unterzubringen. Und wir sind in der Tat ein wichtiger Ort für die politische Auseinandersetzung, aber nicht weil hier besonders viele Rassisten sind!
Wer die Gegenden um die letzte Station der U-Bahn aus der politischen Landkarte streicht, entwertet auch das Handeln derer, die mit viel Kraft und Sorgfalt die Widersprüche aushalten.
Das tun die Genossinnen und Genossen. Einfach ist es nicht. Wenn Menschen sich in der Peripherie der Metropole ausgegrenzt fühlen, dann müssen wir als LINKE darauf reagieren. Wenn steigende Mieten auf eine Nachbarschaft stoßen, die bislang weder davon erfasst noch im Focus der Mieterinitiativen war – dann muss DIE LINKE unterstützen. Vor Ort sein und aushalten, was die Bürger uns sagen, von uns fordern, ist die hohe Kunst des Wahlkampfs. Im Übrigen: Kaum jemand beherrscht das besser als Petra Pau. Ich kenne sie als emphatische Zuhörerin, die präsent ist, und die deshalb auch zu den geschätzten und verlässlichen Politikern gehört. Die Losung heißt: Hundeplatz, Kleingarten und Kochtopf! Im Übrigen: nicht nur in der Peripherie !
Zwei spannende Projekte verfolge ich bei uns in Marzahn-Hellersdorf besonders: der neue Hundeplatz, in eigener Regie errichtet und betreut von jungen Familien, ist Demokratie- und Praxisort geworden. Vorherige Kritiker sind jetzt jeden Samstag an der Schippe. Miteinader statt meckern. Kiez verändern macht Spaß!
Oder die Wette um ein Tanzprojekt Hellersdorf Flash mob. Es motiviert zu regelmäßigem Training und dem Ehrgeiz, es Frau Witt zu zeigen: Wir können das, wir schaffen das, wir sind stolz auf uns. Jeden Morgen wird geübt, geprobt. Auch das ist Hellersdorf. Jenseits der AfD und auch jenseits der IGA.
Soziale Gerechtigkeit ist immer konkret, sie wird empfunden in den Lebenslagen,
im Zugang zu Bildung und Kultur – aber auch zu einem guten Schulranzen.
Und lasst es mich auch deutlich sagen; wir alle: die Senatsmitglieder wie die letzte Mitarbeiterin im Ordnungsamt, die Genossen am Stand wie die nächtlichen Kommentatoren bei Facebook – natürlich auch die Bundespolitik, bestimmen das Bild der Bürger, was gute Politik heißt! Halten wir zusammen. Halten wir Berlin zusammen! Wer sonst?
Drinnen und draußen. Wo sonst. Seien wir achtsam – auch miteinander.

Juliane Witt ist Bezirksamtsmitglied in Marzahn-Hellersdorf und Mitglied des Landesvorstands der LINKEN. Berlin