29.05.2017
Petra Pau (MdB)
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Vielfältiger Kirchentag

Lesung während des Kirchentages mit Petra Pau aus ihrem Buch „Gottlose Type“ am Stand der LINKEN.
Marzahn-Hellersdorf

Und wieder waren es höchst interessante Begegnungen, Ende Mai auf dem Kirchentag in Berlin. Derart christliche Höhepunkte haben stets einen fixen Platz in meinem Kalender. Sie sind politischer, als manch Laie glauben mag.
Und Worte wie „antikapitalistisch“ werden unter jungen Protestanten gern aufgegriffen. Auch in katholischen Kreisen spielt kritische Politik durchaus eine herausragende Rolle, allemal wenn es um Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität geht. Wie meinte doch jüngst Papst Franziskus? Er nannte das kapitalistische System „unerträglich“ und „kalt“. Die Wirtschaft sollte „im Dienst der Menschheit stehen. Aber wir haben das Geld in den Mittelpunkt gerückt, das Geld als Gott!“ Er sagte wirklich „wir“, so als trüge er persönlich Mitschuld. Vielleicht wollte er damit auch mahnen: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer!“ Welch Linker könnte das nicht unterschreiben?
Daran habe ich in meinem Grußwort erinnert, als die Bundestagslinksfraktion Repräsentanten der Kirche am 24. Mai zu einem interkulturellen und interreligiösen Abend in die „Auferstehungskirche“ in Friedrichshain geladen hatte, und an das gemeinsame „Sozialwort der Kirchen“ anno 1997 sowie die ökumenische „Sozialinitiative“ von 2014. Und ich habe die Anwesenden gefragt: Welch Linker kennt diese beiden christlichen Dokumente? Und welch Kirchenvertreter das Programm der LINKEN? Und wenn nicht, warum nicht?
2015 hatten Jugendorganisationen der katholischen und der evangelischen Kirche gemeinsam „soziale Gerechtigkeit“ zum Maßstab für die Bundestagswahl 2017 erklärt und eine breite Debatte darüber gefordert.
Für mich war das ein Grund mehr, den aktuellen Kirchentag zu besuchen.
Am Info-Stand der LINKEN war ich gemeinsam mit Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Ich besuchte die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienst“ und den Bundesverband „Deutsche Tafeln e.V.“. Auf einem Podium diskutierte ich über den NSU-Komplex und den aktuellen Rechtsextremismus.
Und vielen Besucherinnen und Besucher las ich für sie überraschende Episoden aus meinem Buch „Gottlose Type – meine unfrisierten Erinnerungen“. Schließlich gratulierte ich bei einem Jubiläumsgottesdienst für die „Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche“ zu deren 40. (!) Gründungstag. Ja, auch das gibt es, und so vielfältig sind Kirchentage.