09.05.2017
Christa Horstmann
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Ein interessantes Programm

Jane Zahn auf der Weihnachtsfeier der Freundschaftsgesellschaft Alt Ruppin 2016
Neuruppin

Diese Frau hat Mut. In einer Stadt, in der musikalische, literarische, bildnerische und museale Höhepunkte zu Hause sind, die geprägt ist nicht nur durch landschaftliche und architektonische Schönheit, auch durch Kureinrichtungen, kleine und mittlere Betriebe, berühmte und weit bekannte Kulturstätten und Kulturereignisse - hier eine Art politisches Kabarett und kleine Bühne für Klangkunst der Gegenwart zu organisieren, dazu gehört Mut.

Das Frühlingsprogramm, was die Schauspielerin und Kabarettistin Jane Zahn als »Chefin« zwischen 8. April und 23. Juni 2017 in der neuen Musikbrennerei Rheinsberg anbietet, ist ganz anders als Kammeroper, Musikakademie, Orgelkonzerte und Schlossführungen oder Kunst-, Handwerker- und Töpfermarkt und eben anders als anspruchsvolle Ausstellungen - und will auch ganz anders sein.

Noch haben es viele Rheinsberger offenbar noch nicht »angenommen«. An manchen Abenden ist es an den Besucherzahlen zu merken... Zur Kenntnis genommen wurde aber bestimmt:
Was aus der ehemaligen Schnapsbrennerei geworden ist. Ein kleiner Theatersaal in rustikaler Gestaltung und ansehnlicher Bestuhlung, ein anschließender gastlicher Raum, wo die Chefin höchstselbst Sekt, Saft, Wasser als »Pausenversorgung« kredenzt, und ihre Schmalzstullen haben sich mittlerweile auch herumgesprochen.

Übrigens »überfiel« uns der Gedanke, diesen Artikel für unsere Zeitung zu schreiben, in der Veranstaltung am 14. April 2017 »Musik gegen das Vergessen«. Mit anschließender spontaner Diskussion, auch ungewöhnlich, aber interessant.
Hier gestalteten der ehemalige Berufsmusiker und studierte Musikwissenschaftler Hans­-Karsten Raecke und der Sänger Wilfried Staufenberg mit Musik und Liedern von Bert Brecht, Hanns Eisler, Stephan Hermlin, Reiner Müller und anderen ein aufrüttelndes, höchst aktuelles Programm gegen den Krieg - höchst aktuell angesichts der gegenwärtigen unzähligen Kriege und der Menschenvernichtung in vielen Gebieten der Erde. Die Texte vor allem schienen direkt für heute gemacht ...

Ungewöhnlich auch die »Art« der Musik: Kennen sie z.B. eine Orion-Harfe? Der Musiker hat sie aus vielen Metallteilen selbst gebaut. Erstaunliche Klänge brachte sie hervor.
Der Abend war übrigens dem Karfreitag gewidmet. Ein Tag, »der für Klage und Trauer« steht, hieß es im Programm der Veranstaltung. Und es wird die Frage gestellt: »Wie viel Hölle lassen wir künftig zu? - Trauern wir! - Klagen wir! - Gegen Verdrängung und Vergessen! Dieses Konzert tut es! Klagen wir an. Gegen Krieg, wo auch immer.«

Nach den bisherigen Veranstaltungen zu urteilen, ist diese kleine Kunstbühne (nennen wir sie einmal so), durchaus eine Bereicherung für die Rheinsberger, ihre vielen Kurgäste und nicht zuletzt die Kunst- und Musikinteressierten aus der Umgebung.