18.04.2016
Dr. Elvira Strauß
Erschienen in: Erkner–ungefiltert (Erkner, Brandenburg)

Alt werden in Erkner

Wie steht es um die Altersarmut?

Erkner

Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept der Stadt Erkner steht: „Der Anteil der unter 20-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in Erkner hat sich seit 1995 (24 Prozent) bis zum Jahr 2010 auf 13 Prozent nahezu halbiert. Zugleich ist der Anteil der über 65-Jährigen von 12 Prozent (1995) auf 27 Prozent (2010) gestiegen.“ Diese Zahlen sind Anlass für den Seniorenbeirat und den Sozialausschuss, sich mit der Lebenssituation der Senioren zu beschäftigen.

Bereits seit Februar dieses Jahres bemühten sich beide Institutionen um konkretes Zahlenmaterial, um daraus folgend konkrete Schlussfolgerungen abzuleiten. Leider vergebens. Weder Stadtverwaltung noch Landkreis waren bisher in der Lage zu sagen, wie viel Menschen die Grundsicherung im Alter und Wohngeld beantragt haben. Bundesweit steigt die Zahl der Menschen, die von ihrer Rente nicht leben können. Sicherlich auch in unserer Stadt. Vieles wird teurer, Die Krankenkassenbeiträge, die Mieten, die Konto-, Energie- und Friedhofsgebühren. Die Rentensteigerungen fangen das nicht auf. Viele Rentner werden so zu Überlebenskünstlern. Sie leben vom Ersparten, sind auf die Hilfe ihrer Kinder oder des Sozialsystems angewiesen. Armut im Alter ist ungerecht, denn eine lebenslange Arbeitsleistung muss mit einem würdevollen Leben im Alter belohnt werden, dafür setzt sich DIE LINKE ein.

Wir wissen, dass zu den Kunden der Tafel der GefAS sehr viele Senioren gehören. „Nahezu null Senioren haben bisher das Sozialticket beantragt“, hört man aus der Stadtverwaltung. Mit der Wohnungsgesellschaft Erkner mbH ist über die Wohnungssituation der Senioren gesprochen worden. Die Friedrichstraße 23 wird jetzt leergezogen, um das Haus seniorengerecht umzubauen und betreutes Wohnen einzurichten. In der Stadt gibt es zwei Seniorenheime, einen Pflegstützpunkt, Arzt- und Gesundheitseinrichtungen sowie verschiedene Vereine, die sich der Seniorenarbeit verschrieben haben. Dennoch sind ungelöste Probleme vorhanden – wie altersgerechte Freizeit- und Sportmöglichkeiten, die ungenügende Mobilität mit dem Öffentlichen Personennahverkehr oder die Geh- und Radwege der Stadt, die zum Teil in einem erbärmlichen Zustand sind. Der Seniorenbeirat wird sich im Laufe des Jahres dem Problem „Alt werden in Erkner“ insgesamt widmen. Analysen zu verschiedenen Themen sollen erstellt und in einer Konferenz mit Fachleuten und Betroffenen beraten werden. Wir werden dafür sorgen, dass Ideen und Vorstellungen der Senioren in Erkner umgesetzt werden.

Dr. Elvira Strauß

Dr. Elvira Strauß
Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Vorsitzende des Ausschusses Soziales, Bildung, Gleichstellung, Kultur, Sport

P.S.: Am 13. April, zwei Tage nach der Sozialausschusssitzung, berichtet die MOZ, dass es in Erk­ner im Jahr 2014 120 Menschen gab, die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung erhielten. Ein Jahr später waren es bereits 149 Personen. In Woltersdorf stiegen die Zahlen von 44 auf 53 und in Schöneiche von 106 auf 136.