30.03.2017
Marika Walenta-Tändler
Erschienen in: Mittelsächsische LinksWorte (Mittelsachsen, Sachsen)

Döbeln als „LNKES Modellprojekt in sozialen Brennpunkten“

In seiner Sitzung am 02./03. Juli 2016 und am 04./05. September 2016 beschloss der Parteivorstand die Projektskizze „LINKE Modellprojekte in sozialen Brennpunkten“, welches darauf abzielt, anhand von ausgewählten Modellprojekten herauszuarbeiten, wie DIE LINKE in „Sozialen Brennpunkten“ wirken kann, um „politikferne“ Schichten anzusprechen.

Gerade in einkommensarmen Wohngebieten bleiben viele Menschen den Wahlen fern bzw. erwarten sich nichts mehr von „der Politik“. Die jüngsten Wahlauswertungen zeigen, dass rechtspopulistische Parteien in diesen Gebieten Erfolge erzielen, obwohl sie materiell und programmatisch keine Verbesserungen für diese Menschen anzubieten haben.

Im Rahmen der vier Modellprojekte soll in ausgewählten Gebieten „Politik“ wieder als etwas Erfahrbares gemacht werden, die selbst gestaltet wird.

Warum? Weil: Wer arm ist, bleibt zu Hause.

Wahlenthaltung ist nicht gleichmäßig über alle gesellschaftlichen Milieus, Gruppen und Schichten verteilt. Sie offenbart ein deutliches soziales Gefälle, vor allem entlang von Einkommen und Bildung. Einwohner*innen sogenannter „sozialer Brennpunkte“ gehen halb so oft wählen und stimmen doppelt so oft für Parteien des linken Spektrums.

Aber das Klischee des chronisch politikverdrossenen, politisch teilnahmslosen Nichtwählers ist nicht erkennbar. Es besteht durchaus oft politisches Interesse. Diese Menschen dürfen wir nicht „rechts“ liegen lassen.

Warum Döbeln?

Im Zuge des Ausschreibungsverfahrens habe ich in Absprache mit unserem Kreisvorsitzenden, Falk Neubert, die Stadt Döbeln als eines von vier Modellprojekten mit einem Bewerbungsschreiben vorgeschlagen.

In den vergangenen Jahren musste die Stadt einen erheblichen Einwohnerschwund verzeichnen, jedoch konnte ab 2014 wieder ein Einwohnerzulauf festgestellt werden. Die Begründung liegt darin, dass die umliegenden Gemeinden und Orte hohe Einwohnerverluste in die nächstgrößere Stadt verzeichnen, in diesem Fall nach Döbeln.

In Mittelsachsen leben mehr als 66.700 junge Menschen, die nicht älter als 27 Jahre sind. Davon sind vier Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos. Das geht aus dem Jugendhilfebericht 2015 hervor. Im Raum Döbeln ist die Jugendarbeitslosigkeit doppelt so hoch wie im Kreisdurchschnitt. Ein Grund für diesen Anteil könne die vergleichsweise hohe Zahl an Schulabbrechern sein. Im Schuljahr 2014/15 haben in Mittelsachsen insgesamt 220 Jugendliche die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen, 68 davon im Altkreis Döbeln. Das ist der höchste Anteil im gesamten Landkreis.

Die generelle Arbeitslosenquote hat sich im Landkreis Mittelsachsen um 8% verringert, auf 6,7%. Den höchsten Anteil an Arbeitslosen verzeichnet Döbeln mit 8,5% und liegt damit sogar über den sachsenweiten Durchschnitt von 6,9%. Insgesamt sind in Mittelsachsen derzeit 12.311 Menschen ohne Arbeit. Davon bekommen 3.150 Arbeitslosengeld I und 9.161 beziehen Hartz IV.

Nach einer ersten Qualifizierungs- und Projektentwicklungsphase umfasst das gesamte Projekt zwei Jahre. Zeitnah wird es dazu das erste Treffen mit Vertreter*innen aus der Bundesgeschäftsstelle Berlin in Döbeln geben. Für mögliche Mitwirkungen, Anregungen und Hinweise eurerseits wäre ich sehr dankbar.

Hinweis

Die gesamte Januar-Ausgabe der LinksWorte ist

unter www.linksworte-mittelsachsen.de/ausgaben/115.pdf zu finden. Frühere Ausgaben sind archiviert unter

www.linksworte-mittelsachsen.de/archiv.html .