28.03.2014
Dr. Elvira Strauß
Erschienen in: Erkner–ungefiltert (Erkner, Brandenburg)

Kinderschutz ist Zukunftssicherung

Erkner

In der Literatur gibt es viele kluge Sprüche, die sich mit dem Thema Kind beschäftigen. Johann Wolfgang von Goethe formulierte meinen Lieblingsspruch: „Man könnte erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogen wären.“ Und der Schweizer Lebenskünstler Alfred Selacher resümiert: „Wer unsere Kinder drangsaliert, sabotiert unsere Zukunft.“


Der Sozialausschuss der Stadt Erkner befasste sich am 17. März 2014 mit der hiesigen Lebenswirklichkeit von Kindern und Erwachsenen, wie sie im Kinderschutzbericht des Landkreises vom August 2013 dargestellt sind. Auf 46 Seiten, die unter www.landkreis-oder-spree.de nachzulesen sind, findet man die konkreten Ergebnisse. Sie sind kein Ruhmesblatt für den Sozialraum Erkner, zu dem auch Woltersdorf, Schöneiche, Grünheide und das Amt Spreenhagen gehören. In diesem Bereich lebten im Jahr 2012 genau 6 865 Kinder unter 18 Jahren.


Leider geht es nicht allen hier gut. Es wurden insgesamt 81 akute und latente Gefährdungen des Kindeswohls dem Jugendamt durch Kindereinrichtungen und -ärzte, durch die Polizei und durch Privatpersonen gemeldet. Im Sozialraum Erkner kamen die gefährdeten Kinder zu 40 Prozent aus Haushalten alleinerziehender Mütter und zu 27 Prozent aus Haushalten mit beiden Elternteilen, heißt es im Bericht. Schwerpunktmäßig waren Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren betroffen. Im Raum Erkner wurde in der Mehrzahl der Fälle seelische Gewalt gegenüber den Kindern ermittelt. An zweiter Stelle kam körperliche Gewalt, gefolgt von der Verletzung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht. So beschreiben Jugendamtsmitarbeiter aus Fürstenwalde die Situation.


Eine Aufgabe aller künftigen Stadtverordneten im Westkreis wird es deshalb sein, den Kinderschutz zu stärken. Sicherlich muss dazu Geld in die Hand genommen werden. In China sagt man: „Wer Geld, aber keine Kinder hat, ist nicht wirklich reich; wer Kinder hat, aber kein Geld, ist dagegen nicht wirklich arm.“


Deshalb lautet eine Schlussfolgerung des Jugendamtes, gesellschaftliche Probleme wie z. B. Armut oder Unterstützungsbedarfe von Alleinerziehenden sollten mehr beachtet werden.
DIE LINKE wird sich dafür einsetzen, dass das Bündnis für Familie, die Initiative „Frühe Hilfen“ sowie weitere vorhandene Beratungs- und Hilfsangebote koordiniert und besonders auf die präventive Arbeit ausgerichtet werden.


Die gewählten Volksvertreter und die Verwaltungen in unserem Sozialraum müssen deshalb stets Antworten auf die folgenden Fragen suchen:

  • Wie sehen Zugangsbedingungen zu den Angeboten aus? Wer nutzt diese tatsächlich?
  • Wo sind die Angebote angegliedert?
  • Welche Bedingungen müssten geschaffen werden, um Zugangsschwellen zu verringern?
  • Sind die Angebote allen bekannt?
  • Welchen Effekt haben die Angebote?

Dr. Elvira Strauß,
Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Soziales, Jugend, Gleichstellung, Sport, Kultur; Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Spitzenkandidatin der LINKEN für die Stadtverordnetenversammlung