Artur Pech, Schöneiche
Erschienen in: Widerspruch (Fürstenwalde, Brandenburg)

¡no paserán! – Vor 75 am Ebro

Nein – heute den Neonazis

Landkreis Spree-Neiße

In den letzten Wochen wurde ich mit dem Zusammenhang der „großen“ Politik mit der „kleinen“, der Kommunalpolitik so eindinglich konfrontiert, wie selten zuvor. Ende Oktober/Anfang November war ich mit einer Delegation der Vereinigung der Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik in Katalonien. Anlass der Reise war die Ehrung der Internationalen Brigaden aus Anlass des 75. Jahrestages der Schlacht am Ebro und der dann folgenden Verabschiedung der Internationalen Brigaden durch Dolores Ibárruri in Barcelona.

Karlen Vesper hat darüber zwei sehr treffende Berichte in „neues deutschland“ veröffentlicht (Kasten). Ich möchte drei Dinge ergänzen: Wesentlicher Ausrichter dieser Veranstaltungen war der Verein „Erde der Brüderlichkeit“. In dem haben sich Kommunen aus Frankreich und aus Katalonien zusammengeschlossen, nicht nur um die Erinnerung an den Kampf zur Verteidigung der Spanischen Republik zu pflegen. Und so gehörte es zum
Programm dieser Reise, dass uns an den verschiedenen Orten die Bürgermeister begrüßten und – was für mich schon bemerkenswert war – auch die Unterstützung der lokalen Polizei sichtbar wurde.

Umgelegte Grenzsäule an der Brückenbaustelle

Die Veranstaltungen waren sehr gegenwärtig auf den Kampf gegen die im Europa der „Europäischen Union“ um sich greifenden neofaschistischen Aktivitäten bezogen. Sie mündeten in den Appell, die bevorstehenden Wahlen zum Parlament der Europäischen Union zu nutzen, „um generell die Parteien und Kandidaten einzuladen, sich dazu zu verpflichten, die juristischen Maßnahmen zu unterstützen, die es erlauben, die Banalisierung und Verteidigung des Faschismus sowie die Leugnung derer Konsequenzen strafrechtlich zu verurteilen“ (Arbeitsübersetzung aus dem Spanischen). Ich habe dieses Dokument für die Beratung im Bundesausschuss unserer Partei eingebracht, der Ende November/ Anfang Dezember 2013 über den Vorschlag für die Kandidatenliste der LINKEN zu diesen Wahlen berät.

Kaum von dieser Reise zurück, war ich in Coschen zum ersten Spatenstich für die Wiedererrichtung der Brücke über die Neiße. Am Rande dieser Veranstaltung habe ich das Bild von der umgelegten Grenzsäule gemacht. Sie musste fallen, weil sie im direkten Zugang zur Brückenbaustelle stand. Auf den ersten Blick könnte man meinen, da liegen zwei Grenzsäulen. Wer genauer hinsieht, erkennt eine alte Grenzsäule und einen neuen Mantel.

Und da sind wir dann bei der Geschichte dieser Grenze, bei der Frage, wie deutsche Faschisten mit den Grenzzeichen an der polnischen Grenze 1939 umgegangen sind und wie diese Grenze an die Oder kam, bei den jahrzehntelangen Auseinandersetzungen darum, ob eine Grenze an Oder und Neiße als Friedensgrenze bestand haben wird. Und bei den wütenden Attacken der Nazis im Kreistag gegen diese Brücke (Widerspruch 10/2013, Seite 9), mit denen auch Sorgen der Einwohner von Coschen für Zwecke des Neofaschismus instrumentalisiert werden sollen.

Denken wir daran: Die Schlacht am Ebro war ein Auf bäumen gegen den europäischen Faschismus. Der folgende Abzug der Internationalen Brigaden war auch eine Reaktion auf das Münchner Abkommen, mit dem die Westmächte den deutschen Faschisten die Grenzen der Tschechoslowakei auslieferten.

Wenig später fielen dann auch die Grenzzeichen Polens, das kurz zuvor noch vom Münchner Abkommen profitiert hatte.

Kein Zweifel: Die umgelegte Grenzsäule vor der Brücke in Coschen zeugt von einem anderen Prozess, dient der Annäherung und Verständigung. Kein Zweifel aber auch: Neofaschisten sind nicht nur in Deutschland noch unter uns. Ihnen entgegen zu treten, ihnen politisch keinen Raum zu lassen ist eine Aufgabe, die immer wieder vor Ort auch in den Kommunen zu lösen ist. ¡No paserán!

Karlen Vesper in „neues deutschland“:

• Der Ring der Spanienkämpfer
Über eine Reise in die Vergangenheit, Schwierigkeiten mit der Wahrheit und beherzte Bürger
15.11.2013
• Fünf Patronen und zwei Helden
Die Gebrüder Vincent und Joseph Almudever über ihren Kampf in Spanien 1936 bis 1939

16./17.11.2013