31.01.2017
Freke Over
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Kuba ohne Castro

Rheinsberg

Es war unser erster Urlaub auf Kuba, zu dem wir am 20. November 2016 starteten. Als wir am folgenden Samstag in den Frühstücksraum unseres Hotels kamen, spürten wir sofort, es musste etwas passiert sein - Fidel Castro war gestorben. Die Flaggen auf Halbmast, und eine große Traurigkeit bei vielen Menschen. Die erlebte ich auch am folgenden Tag, als ich, sehr zur »Freude« des betrieblichen Parteisekretärs, an der Trauerfeier für das Hotelpersonal teilnahm. Die Werbung in der Lobby war abgehängt, Gedenkplakate aufgehängt, Kondolenzlisten ausgelegt.
Hasta la victoria Fidel, siempre! Bis zum Sieg, Fidel, für immer!

Neun Tage Staatstrauer, kein Tanz, keine Musik, kein Alkoholverkauf. Der Ausschank für die Touristen läuft aber weiter, dafür kein Tanz und nur dezente Musik. 24 Stunden wird im kubanischen Fernsehen über den Trauerzug berichtet, gibt es Interviews mit Politikern, Künstlern und Sportlern aus aller Welt und Stimmen aus dem Volk zu Fidel.

Ein kubanischer Bekannter sagte uns: »Er sei sehr traurig, er wäre zwar nie Kommunist gewesen, aber immer Fidelist«, weil er und viele andere Menschen sehen, was Fidel für Kuba bewegt hat: Bildung, Gesundheitsversorgung, Abbau von Rassismus und Reichtum, Wohnen und Versorgung mit Grundnahrungsmitteln für alle.

Kuba nach Castro? - und Raul ? - was wird passieren? Oder passiert es nicht längst.
Viele sprechen von Unsicherheit, wie es mit Kuba weitergeht. In der Stadt erleben wir in der Zeit nach der Staatstrauer leidenschaftliche Debatten, leider reicht unser Spanisch nicht aus, um sie richtig zu verstehen. Ein kubanischer Freund meinte, dass es jetzt ein großes Loch gibt, weil es keine profilierten und bekannten jungen Politiker gäbe. Keine, die jetzt einen neuen, eigenständigen kubanischen Weg anführen könnten.