01.06.2016
Heidrun Schumacher
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Wenn es die eigenen Söhne wären ...

Was Ibrahim und Yamen für die Integration von Flüchtlingen tun

Ibrahim und Yamen in der Englischstunde der Urania e.V.
Barnim/Bernau

Vor etwa 6 Monaten zogen die ersten Flüchtlinge im Bernauer Flüchtlingsheim Lanker Straße ein. In wenigen Plastiktüten führten sie ihre Habseligkeiten mit sich. Seitdem haben die Bernauerinnen und Bernauer die Möglichkeit, hier mit ihnen in Kontakt zu kommen, sie und ihr Land sowie die aktuelle Situation dort durch Gespräche kennenzulernen.
Seit der Ankunft der Flüchtlinge bemüht sich zum Beispiel Emmeline Schultheiß mit extrem hohem Einsatz um deren Integration. Sie arbeitet mit ihnen die unzähligen Seiten der auszufüllenden Unterlagen durch, erledigt gemeinsam mit ihnen Behördengänge, begleitet sie zum Arzt, zur Tafel, zum Jobcenter usw. Dabei unterstützt sie intensiv der syrische Englischlehrer Ibrahim Sharf Aldeen, der selbst aus Syrien fliehen musste und ins Arabische übersetzt.
Um den Flüchtlingen, die fernab ihrer vertrauten Heimat und Kultur zu zweit oder mehr Personen in einem etwa 12 Quadratmeter großen Raum wohnen, ein wenig Ablenkung und Freude zu geben, unternahmen Ehrenamtliche bereits verschiedene Ausflüge mit den Flüchtlingen.
Das war zum einen der Besuch des Circus Busch in Berlin, an dem die Syrer sehr viel Freude hatten. Ein anderes Mal stand der Besuch des Agrarmuseums im Wandlitzer Barnim Panorama auf der Tagesordnung. Viele ältere landwirtschaftliche Geräte waren den Syrern aus ihrer Heimat gut bekannt.
Zum 1. Kunsthandwerkermarkt in Bernau und einer Führung mit Margit Streblow durch den historischen Kern der Stadt fanden sich etliche junge Männer, inzwischen durch ihre Fahrräder mobiler geworden, ein. Übrigens haben sie sich die Räder selbst aus fast schrottreifen gespendeten Rädern zusammen gebaut. Auf dem Gang durch die Altstadt interessierten sie sich sehr für die Geschichte Bernaus.
Eine besonders nette Geste zeigte eine Seifenhändlerin auf dem Kunsthandwerkermarkt. Sie fragte: „Wie viele Flüchtlinge sind das denn, die Sie mitgebracht haben?“ „Sieben“, war die Antwort. Und dann schenkte sie kurzerhand jedem der sieben ein Stück Seife. Als sich alle herzlichst bedankten, meinte sie: „Das mache ich sehr gerne. Man braucht sich doch nur vorzustellen, es wären die eigenen Söhne.“ – Eine wunderschöne Geste.
Mohamed hatte an diesem Tag Geburtstag. Wegen des schlechten Wetters kehrten alle in der Dönerstube in der Berliner Straße ein. Bei einem Glas Tee, ein paar Giottos und fröhlichen Gesprächen wurde der Geburtstag gefeiert. Und als dann das bekannte Geburtstagslied „HappyBirthday“ auf Englisch, Deutsch und Arabisch gesungen wurde, fühlte man sich als eine Gemeinschaft.
Ein weiterer Höhepunkt für den syrischen Englischlehrer Ibrahim und seinen Freund Yamen war der Besuch in einer Englischklasse an der Kreisvolkshochschule Bernau sowie die Teilnahme an einer Englischstunde bei dem Bildungsverein Urania Barnim e.V. Den Teilnehmern bot sich hier die Gelegenheit, im auf Englisch geführten Gespräch viel über das Land Syrien, seine Menschen, die Gründe und Wege der Flucht zu erfahren. Alle Kursteilnehmer stimmten darin überein, dass sie nach diesen interessanten Stunden einen anderen Eindruck von den Flüchtlingen, deren Situation und der Lage in Syrien gewonnen hatten. Ibrahim und Yamen bedankten sich für die Einladung mit selbstgebackenen Kuchen, die Teilnehmer der Sprachkurse mit einem kleinen Präsent.