15.09.2016
Thomas Sohn
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Gewalt erzeugt neuen Terror

11. September: Bernau gedachte der Opfer von Krieg und Gewalt

Gedenken an die Opfer des Faschismus am Bernauer Bahnhofsvorplatz
Barnim/Bernau

Es ist schon zu einer guten Tradition geworden, dass sich jedes Jahr am zweiten September-Sonntag um 11 Uhr Bernauer Bürgerinnen und Bürger am Denkmal der Opfer des Faschismus zu einem stillen Gedenken zusammenfinden. Seit dem 9. September 1945 wird zum Gedenken an die Opfer des faschistischen Terrors aufgerufen, in beiden deutschen Staaten wurde bis 1990 dies unter unterschiedlichen Betrachtungen durchgeführt, in Westdeutschland gedachte man lieber am Volkstrauertag im November aller Kriegsgefallenen und versuchte damit die Geschehnisse während der Hitlerdiktatur in den Hintergrund zu stellen.
Die Antifaschisten, linke Teile der Arbeiterbewegung und auch die VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) – um nur einige zu nennen – behielten dieses Gedenken an die unzähligen Opfer über 71 Jahre bei. Der Gedenktag für die Opfer von Faschismus und Krieg ist auch ein Tag des Nachdenkens. Ein Tag, an dem man sich erinnern sollte an die Menschen, welche in der schweren Zeit des Hitlerfaschismus, Zivilcourage gezeigt haben, die Widerstand geleistet haben, auch mit dem Wissen, dass sie dafür mit dem Leben bezahlen müssen. Aber auch heute und in der jüngsten Vergangenheit sind deren Einstellungen und Handlungen aktueller den je.
Wieder steht die Frage nach Krieg oder Vergeltung, wieder werden Unschuldige dadurch getroffen.
Wieder sind Menschen, über 60 Millionen weltweit, auf der Flucht vor den Schrecken von Krieg und Terror. Diese brauchen unsere Solidarität. Neben der Solidarität gilt es aber auch gleichzeitig, die Ursachen der Flucht – Krieg und Terror – zu beseitigen.
Der Welt wird derzeit wieder ein Szenario vorgegeben, in dem Krieg oder militärische Vergeltungsschläge – sei es in Syrien, in Irak oder in der Ukraine – als einzige richtige Antwort dargestellt werden. Eine Vergeltung mit Waffen? Eine Demokratie mit Waffen? Das ist nicht die Auffassung der LINKEN vom Zusammenleben der Völker. So können die Probleme der Welt nicht gelöst werden. Auch Deutschland, als drittgößter Waffen-
exporteur der Welt ist ein Teil des Problems. Kriege und Bomben verschärfen nur die Gewalt und erzeugen Gegengewalt und neuen Terror. So erhalten Radikale die Möglichkeit, sich zu formieren und über neue Gewalt ihre Ziele durchzusetzen. Es gibt auf unserer Welt viele Völker, sie haben im Laufe ihrer langen Entwicklung eigene Formen des Zusammenlebens entwickelt, sie haben ein Recht auf ein selbst bestimmtes Leben. Wir können Ihnen nicht unsere Form der „Demokratie“ aufzwingen, noch dazu in dem Wissen, dass diese auch nicht vollkommen ist.
71 Jahre nach Zerschlagung des Hitlerfaschismus gibt es immer noch Gruppierungen und Menschen, die den Nationalsozialismus verherrlichen und versuchen dafür eine breite Öffentlichkeit zu finden. Dagegen muss man mit den Mitteln der Zivilgesellschaft offen angehen. Die LINKEN und die Teilnehmer des Gedenken am 11. September stehen gemeinsam mit vielen anderen für eine gewaltfreie Welt.