16.04.2014
Dr. Lothar Kober
Erschienen in: Erkner–ungefiltert (Erkner, Brandenburg)

Lärmaktionsplanung anstelle Lärm­aktionismus ist gefragt

Erkner

Im Februar lud Bürgermeister Kirsch Vertreterinnen und Vertreter von Bürgerinitiativen sowie betroffene Anwohner zum Thema Bahnlärm ins Rathaus ein. Dank der MOZ vom 8. März wissen wir mehr: Die Stadt wolle dem Lärmschutzbeauftragten der Bahn eine Temporeduzierung von 120 auf 80 km/h im Stadtbereich vorschlagen. Die Temporeduzierung würde wenig kosten, aber den Lärmpegel deutlich um vier dB(A) absenken. Gegebenenfalls solle eine Anwaltskanzlei zur Rechtsvertretung eingeschaltet werden.
Der Vorschlag ist so wirklichkeitsfern, wie die Forderung, Erkner zu einem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) zu erklären, die geschützte Art wäre der homo sapiens – der Mensch.
Die Deutsche Bahn AG (DBAG) ist die falsche Adresse für die Forderung. Den Ausbau der Strecke Berlin–Frankfurt (Oder)–Grenze Polen beschloss der Deutsche Bundestag im Rahmen des Bundesschienenausbaugesetzes (Projekt 14). Proteste der Stadt gegen den Ausbau sind unbekannt. Im Gegenteil, „wichtige“ Menschen aus Erkner sonnten sich bei der Übergabe. Von Wilhelmshagen bis zur Grenze ist der Ausbau für Tempo 160 und Achslasten von 25 t abgeschlossen. Nach jüngsten Angaben kostet die 85 km lange Bahnstrecke 611 Millionen Euro – 7,2 Millionen Euro je Kilometer. Eine Verringerung der zulässigen Geschwindigkeit im Stadtgebiet Erkner um die Hälfte würde den Ausbau total entwerten. Von wegen wenig kosten. Getreu dem Motto, wer die Musik bestellt, der zahlt, hätte Erkner Unsummen zu entrichten.
Der Schlüssel für mehr Lärmschutz liegt in der 2. Stufe der Lärmaktionsplanung, die der Bürgermeister mit einem Jahr Verzug für 2014 angekündigt hat. Die Zeit drängt, denn die Stadt kann nur bis Jahresende in Sachen Bahnlärm die DBAG mit Forderungen konfrontieren. Dann geht diese Aufgabe an das Eisenbahn-Bundesamt.
Welche Lärmminderungsmaßnahmen kommen in Betracht? Brückenentdröhnung (bereits eingebaut), Entdröhnung der Bahnübergänge Beuststraße und Oberförstereiweg (ist zu prüfen), Schienenstegdämpfer (bereits eingebaut), Schienenschmiereinrichtung in der Kurve Richtung Berlin (ist zu prüfen), niedrige Schallschutzwand direkt am Gleis (die wohl am ehesten mögliche und wirkungsvollste Maßnahme). Dass die DBAG bis 2020 mit Hilfe des Bundes ihre Güterzugwagen (etwa 60 000) mit sogenannten Flüsterbremsen ausrüsten will, kann nicht hoch genug bewertet werden.
Zum Thema „Schutz gegen Straßen- und Bahnlärm in Erkner“ finden Sie auf der Internetseite der LINKEN Erkner www.linke-erkner.de ab 25. April eine ausführliche Zwischenbilanz.

Dr. Lothar Kober,
Stadtverordneter der PDS/LINKEN seit 1990,
Kandidat zur Kommunalwahl am 25. 5. für die Stadtverordnetenversammlung Erkner auf der Liste der LINKEN