05.01.2017
Kerstin Berbig, Gemeindevertreterin Wandlitz
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Ein Wald vor lauter Bäumen

Will Wandlitz seinen Baumbestand schützen?

Barnim/Wandlitz

Im Landkreis Barnim gilt eine Baumschutzsatzung. Jede Gemeinde kann jedoch darüber hinaus eigene Satzungen aufstellen, um sie örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Davon hat Wandlitz Gebrauch gemacht. Hier gelten schärfere Schutzregelungen, die dem Wald- und Seencharakter Rechnung tragen sollen. Kritikern genügen die Vorgaben des Kreises. Die Ortsteile Schönerlinde und Klosterfelde hatten sich grundsätzlich gegen die Satzung ausgesprochen.

Wollen wir in der Gemeinde Wandlitz unseren Baumbestand schützen? Nach der Gemeindevertretersitzung im Oktober, wo das gemeindliche Einvernehmen zum Abholzen von ca. 25 Bäumen für den privaten Wohnungsbau erteilt wurde, kommt die Frage auf: Warum haben wir uns eine Baumschutzsatzung gegeben? Die Bürger fragen zu Recht, warum wird das Fällen von Bäumen für so ein privilegiertes Bauvorhaben so einfach gemacht? Der Anlass: Für ein privates See- und Waldgrundstück in Stolzenhagen liegt ein Bauantrag für 3 Wohnhäuser vor, der die Abholzung beinhaltet.
Diese Entscheidung der Gemeindevertretung dient eben nicht dem Gemeinwohl und wurde daher auch von mir abgelehnt. Aus meiner Sicht sollten sich die Gemeindeverwaltung und auch die Gemeindevertreter darauf besinnen, was unseren Ort ausmacht, nämlich die Waldgebiete und die Seen. Das sollte durch uns geschützt werden und nicht durch uns zur Abholzung freigegeben werden. Denn oft genug wurde mit einer „geringen“ Abholzung begonnen und dann „oh, Schreck“ waren plötzlich die anderen Bäume auch weg.
Wir haben uns als Gemeinde eine Baumschutzsatzung gegeben, um unseren Bestand zu schützen, wir sollten dabei an alle Waldflächen denken. Es ist auch nicht richtig den schwarzen Peter an den Landkreis zu schieben, „die könnten ja ablehnen“. Wir als Gemeinde sind in der Pflicht, auch für die Zukunft unserer Kinder, dafür zu sorgen, dass unsere Wälder erhalten bleiben. Ich wurde von Einwohnern gefragt, warum wir diese Entscheidung getroffen haben. Ich kann diese Frage nicht beantworten, weil auch ich nicht nachvollziehen kann warum der Großteil der Gemeindevertreter so entschieden hat.