12.12.2016
Achim Müller
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Einfach etwas für die Bürger tun

Bürgerschaftliches Engagement liegt zwei jungen Männern sehr am Herzen

Alt Ruppin

Als die beiden Jungunternehmer Christian Juhre und Marko Petruschke am 22. Juli 2016 das erste Mal zur »Flimmerstunde« als Freiluftkino auf den Neuen Markt in Neuruppin einluden, fragten viele Bürger verwundert: »Was, so eine große Veranstaltung, und dann noch kostenlos?«
Da das Echo aus der Bevölkerung von super und Klasse bis zu zwei wunderschöne Tage usw. reichte und das Presse-Echo durchgehend positiv war, entschieden sich die beiden, solche Events zum festen Bestandteil der Neuruppiner Kulturszene werden zu lassen.
Das war Anlass für unser Redaktionsmitglied Hans-Joachim Müller, mit diesen beiden Unternehmern ein Gespräch zu führen.

Zwei aktive Jungunternehmer

Wer sind eigentlich Christian Juhre und Marko Petruschke?
Der Neuruppiner Christian Juhre ist Inhaber der Firma »Juhre-Veranstaltungstechnik« und hat in Hamburg seine Ausbildung als Veranstaltungstechniker bei einem großen Fernsehsender erfolgreich absolviert.
Marko Petruschke lebt in Alt Friesack und ist freischaffender Kameramann. Unter dem Namen »Petruschke-Film« ist seine Firma bekannt geworden. Viele Bürger kennen ihn noch als Kameramann von Ruppin-TV.
Beide haben sich »auf die Fahne geschrieben«, und das eint sie, dass alte Film- und Fotoaufnahmen sowie andere (neu)zeitliche Dokumente nicht in der Versenkung verschwinden, sondern einer breiten Öffentlichkeit weiter zugänglich bleiben sollen.
Als bei der Neueröffnung des Museums in Neuruppin die Brandenburger Kulturministerin sinngemäß sagte, was früher die Neuruppiner Bilderbogen waren, ist heute Facebook, war die Idee geboren. Unter dem Titel »Neuruppiner Bilderbogen« betreiben die beiden heute eine Facebook-Seite, die sich aktuell mit besonderen Ereignissen aus der Region bzw. dem Kreis OPR beschäftigt. Hier sind viele aktuelle Veranstaltungen, aber auch Dokumente, abrufbar.

Was bewegt Sie, sich so zu engagieren?
Der Hauptbeweggrund ist, etwas für die Region und ihre Bürger zu tun. Irgendwie fühlen wir uns, entsprechend unseren Möglichkeiten, den Bürgern gegenüber verantwortlich, etwas für das Gemeinwohl zu tun. Das drückt sich auch darin aus, dass wir zum Mai- und Hafenfest auf unserer LED-Videowand das gesamte Drachenbootrennen live übertragen haben. (Hierzu ist anzumerken, dass Christian Juhre ein ausgesondertes Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr gekauft hat, mit dem er seine bis zu 5x3 Meter große Videowand für alle gut sichtbar präsentieren kann.)

Wenn solche Veranstaltungen wie die »Flimmerstunde« für die Bürger kostenlos sind, wie finanzieren Sie das?
Da müssen wir voranstellen, dass wir keine öffentlichen Gelder oder Zuwendungen erhalten. Wir sind kein Verein oder anderweitig organisiert, sind also, im Gegensatz zu kommunalen Einrichtungen, völlig unabhängig. Um solche Veranstaltungen wie die »Flimmerstunde« oder den »Neuen Weihnachtsmarkt«, der vom 8. bis 11. Dezember in der Neuruppiner Altstadt, vom Neuen Markt bis zum Seehotel, stattfand, durchzuführen, braucht man eine Reihe von Partnern aus der Wirtschaft. Diese uns unterstützenden Unternehmen tun das gern, da sie damit ihre Verankerung in der Region verdeutlichen wollen. Immer wieder hören wir, dass sie es gut finden, was wir für die Bürger tun.

Ich habe den Eindruck, dass die Neuruppiner sich, nach Jahren von kleineren und individuellen, wieder mal einen schönen großen und zentralen Weihnachtsmarkt wünschen. Stimmt mein Eindruck, und was haben Sie geplant?
Ja, der Eindruck stimmt. Viele, viele Bürger von Neuruppin, aber auch aus dem Umland, fragen ständig nach, was wir planen. Sie wünschen sich einen Weihnachtsmarkt ohne Eintritt, also frei begehbar, wo für Jung und Alt etwas dabei ist.
Zu unseren Planungen: Der absolute Höhe- und Mittelpunkt wird der Bau des XXL-Lebkuchenhauses sein, welches die Kinder verzieren können. Weiterhin wird es ca. 25 weihnachtliche Verkaufsstände geben, und auf unserer LED-Videoleinwand werden alte DEFA-Märchenfilme flimmern. Das gesamte Areal vom Neuen Markt bis zum Seehotel wird in einem vorweihnachtlichen Flair erstrahlen, über dem ein überdimensionaler Weihnachtsmann thront. Lassen Sie sich einfach überraschen - Sie werden sicherlich nicht enttäuscht werden.

Zum Abschluss noch einige kurze Fragen:
Welche Dienstleistungen bieten Sie eigentlich an?
Kurz gesagt alles, was mit Veranstaltungen, von der Ausstattung über die Beschallung bis hin zur Filmvorführung, aber auch der gleichzeitigen Dokumentation, zu tun hat.
Das heißt also, man kann Ihre Leistungen mieten?
Ja, und die folgenden sollen nur einige Beispiele sein: So haben wir schon das beliebte Kistenklettern mitgestaltet, Konzertbeschallungen realisiert oder Luftbilder/Videofilme produziert, aber auch Public Viewing bei den Fußball Welt- und Europameisterschaften durchgeführt. Auch wurden von uns schon Kinder- und Jugendprojekte wie beispielsweise »Die Stadtentdecker« in Neuruppin begleitet. Seit 2006 sind wir unter anderem für die Beschallung und Musik der Neustädter Hengstparaden verantwortlich und begleiten die Rheinsberger Kammeroper, den Netzebander Theatersommer oder die Fontane-Festspiele filmtechnisch.

Noch sieht der Ikarus etwas unscheinbar aus.

Was haben Sie eigentlich noch vor?
Da gibt es etwas sehr erfreuliches zu berichten. Herr Juhre hat gerade einen Ikarus-Bus, wie man ihn sicher noch aus DDR-Zeiten kennt, gekauft, den er zum Multimediazentrum umbauen wird. Er soll zu einem fahrbaren Film- und Tonstudio, der auch als Pressezentrum, Messebus oder zu Werbezwecken genutzt werden kann, werden. Auf einer Seite werden, statt der Fenster, LED- Fernsehbildschirme eingebaut sein, wo sich Unternehmen, Vereine usw. präsentieren können.

Ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und weitere gute Ideen und Aktionen zum Wohle unserer Bürger.