15.11.2016
Gudrun Benser
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Das "Weiße Dorf" in Hellersdorf

Fühlen sich wohl in ihrer neuen Unterkunft
Marzahn-Hellersdorf

Endlich, genau nach einem Jahr, sind am 20. Oktober die letzten Bewohner der Notunterkunft Turnhalle Rudolf-Leonhard-Straße, deren Träger die Volkssolidarität war, in die Gemeinschaftsunterkunft Zossener Straße umgezogen. Träger ist hier das EJF, das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk.
Dort stehen über 60 weiße Wohncontainer in mehreren langen Reihen. Alles zu ebener Erde. Viele Bäumchen und Büsche -aus der Bevölkerung gestiftet – lockern das strenge Weiß auf. Ein Erdwall und Maschendrahtzaun schützen (?) die Ansiedlung. Hier hat jede Familie, wenn auch vorübergehend, ihr Zuhause und kocht auch für sich selbst. Die Frauen freuen sich ganz besonders. Sie haben ihre Hausarbeit wieder! Die Kinder sind gemeinsam in einem bunten Spielzimmer gut aufgehoben.
Die Einrichtung bleibt auf das Notwendigste beschränkt. Mehr wollen sie auch gar nicht. Noch nicht alle wissen, ob sie den Flüchtlingsstatus bekommen. Trotzdem freuen sich alle erst einmal. „Gut, gut!“, ist die Antwort auf die Frage, wie es ihnen gefällt. Bleibt zu hoffen, dass sie hier genauso ruhig leben können, wie in der Turnhalle ohne Zaun. Wäre Frieden in Syrien, gingen viele zurück. Meine persönlichen Kontakte zu drei Familien pflege ich weiter (siehe Foto). Beim ersten Besuch musste ich in jede Wohnung kommen. Überall sollte ich essen und trinken. Ihre Gastfreundschaft ist wohl unübertroffen.