12.05.2017
Hans-Jürgen Müller
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Keine Überschuldung der Anlieger riskieren

Der Finowkanal – Wie könnte seine Zukunft aussehen?

Streit um die Weiterführung des Finowkanals
Barnim/Finowkanal

Ich bin seit 1980 ein Fan des Finowkanals. Leider war damals noch nicht so klar, was er für die Region darstellen könnte. Viel zu viel Flüssigmüll wurde in ihn entsorgt.
Seit einer Reihe von Jahren beschäftigen sich Eberswalde und andere Anliegergemeinden des Finowkanals mit ihm. Das brachte mich 2011 auf die Idee, eine Fotoausstellung mit sechs weiteren Fotofreunden vorzubereiten und 2012 in der ehemaligen Touristenformation am Familiengarten zu präsentieren.
Seit dem haben sich viele mit dem Finowkanal befasst. Der Grund ist, dass der Bund als Eigentümer als erste Maßnahme den Status des Finowkanals abgesenkt hat und ihn jetzt los werden will. Der Bund entzieht sich – wie in vielen anderen Bereichen – seiner Verantwortung. Jetzt sollen die Anlieger dafür einspringen. Was für ein Irrsinn!
In letzter Zeit gab es Verhandlungen durch den Eberswalder Bürgermeister mit den Bundesvertretern. Ihm wurden Angebote unterbreitet, welche die Übergabe des Kanals zum Ziel haben. Wenn man es oberflächlich betrachtet – letztendlich sollen die Kommunen auch Geld für die Übernahme bekommen – scheint es erst einmal gut. Aber wenn man die Zahlen gründlicher beleuchtet, gibt es viele offene Fragen bei der Finanzierung. Da sind zum Beispiel die Kosten für die Beseitigung der Schwermetallbelastung im Bodenschlamm, der allgemeine Zustand des Kanals, der Zustand der Schleusen, der Uferbefestigungen und viele andere unwägbare Faktoren, die wir noch gar nicht erahnen können.
Wie schnell eine Kommune durch falsches Handeln in Bedrängnis kommen kann, erleben gerade die Bürger aus Marienwerder mit ihrem Projekt Werbellinkanal. Eine für mich unsinnige Idee des damaligen Bürgermeisters Danko Jur, gepaart mit Bau­pfusch und Strippenzieherei, bringt die Gemeinde jetzt stark in finanzielle Bedrängnis.
Da schon vom Werbellinsee eine Wasseranbindung zum Finowkanal vorhanden war, die ja auch ausgebaut wurde, hielt ich das Projekt schon 2007 als zum Scheitern verurteilt. Das hat sich ja leider bestätigt.
Der damalige Bürgermeister Danko Jur zog sich ganz schnell aus seiner Verantwortung, als er keinen Rückenwind mehr hatte. Heute will er als Geschäftsführer des Regionalen Fördervereins Region Finowkanal (KAG) Geld mit dem Finowkanal verdienen und drängt nun auf die Übernahme in kommunale Verantwortung.
Aus meiner Sicht ist der Bund als Betreiber auch weiterhin in der Pflicht alle Mängel zu beseitigen, den Kanal zu betreiben und kann dies nicht auf andere abwälzen. Betonen möchte ich auch, dass das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberwalde (eine Bundesbehörde) aus meiner Sicht zwischen Baum und Borke steht und sicherlich selbst auch den Kanal weiterhin nutzen möchte und kann. Ich sehe auch die seit Monaten in der MOZ geisternden Forderungen des Vereins „Unternehmer am Finowkanal“, des Vereins „Unser Finowkanal e.V.“ und vieler anderer für unsinnig. Forderungen und Wünsche habe ich auch, bleibe damit aber immer realistisch und auf dem Teppich.
Selbst wenn der Bund beim Verantwortungsentzug bleibt, heißt das ja nicht, dass der Kanal nicht weiter genutzt werden kann. Kanuten und Ruderer können weiter auf dem Finowkanal aktiv sein. Nur ist dann eine Nutzung für Motorboote – wenn es keine betriebsfähigen Schleusen mehr gibt – nicht mehr möglich.
Eine Überschuldung der Anlieger kann sicher niemand wollen! Diese wird aber geschehen, wenn die Kosten-Nutzen-Risiko-Betrachtung nicht ganzheitlich passiert.